homo constructus – der Jaguar XKR-S GT

Der Mensch bastelt gerne. Nein, eigentlich nicht. Mann bastelt gerne. Mhmm, eigentlich auch nicht. Manche Männer basteln gerne. So ist’s gut. Klingt zwar weniger mächtig, aber was soll’s.

Baumarkt

Diese besondere Spezies, die sich hauptsächlich von Mettbrötchen, Fleischwurst und Bier ernährt, findet dieser Tage wieder zurück aus dem Winterschlaf. Die langanhaltende Kälte hat ihr ein wenig zugesetzt, doch dafür ist das Treiben in seiner natürlichen Umgebung – Hornbach, Bauhaus, OBI, Praktiker – umso reger.

im BaumarktEin neuer Akkuschrauber mit Lithium-Ionen-Power, ein Fuchsschwanz mit Diamantbeschichtung, eine Wasserrohrzange mit Einhand-Verstellung und induktionsgehärteten Backen und das 397-teilige Universaldübelset mit passenden Edelstahlschrauben. Dazu noch ein Pfund Blitzzement, eine neue Speisbütte, sowie einen Rühraufsatz für die Bohrmaschine. Das macht den homo constructus glücklich. Weniger die Tatsache, dass er besser doch die Anleitung gelesen hätte und das kleine Bücherschränkchen im Liegen und mit der stabilisierenden Rückwand montiert hätte, bevor es im Stehen, kurz vor Fertigstellung, wie ein Kartenhaus bei Zugluft zusammenklappt.

im BaumarktAber das liegt natürlich nur an der lächerlichen IKEA-Qualität. Nicht etwa an der Fehlbarkeit des Mannes. Egal, einfach nochmal schnell in den Baumarkt. Ein paar Spanplattenschrauben besorgt, ein Dutzend gelochte Flacheisen und den Bitsatz mit dem so schön blau eloxierten Schnellverschlusshalter. Kaum daheim, 200g feinstes Mett mit frischen Zwiebeln und eine 500er Hülse später steht der Schrank. Frau gefällt der leicht morbide Stil mit den Blechnarben über den ausgerissenen Holzverschraubungen zwar nicht, aber was weiß sie schon? Nur so ist das gut. Und nur so hält das RICHTIG!

So in etwa muss auch das Rudel homo constructus gedacht haben, die kürzlich den Jaguar XKR-S GT erdacht haben. Denn beim ersten Anblick müssen wir unweigerlich an unser leicht lädiertes Bücherregal denken. Hier ein Streifen zum Fixieren angenietet, da ein Hilfskorsett angeschraubt – fertig.

Jaguar XKR-S GT

Der Jaguar XK8 war mal ein schönes Auto. War, denn sein Debüt liegt gefühlt ein Jahrzehnt zurück. Die Zeit machte ihn nicht reifer, die Zeit machte ihn skurriler. Hier eine Modellpflege, da ein Facelift. Hier ein paar LED-Leuchter, da andere Stoßstangen. Sogar eine komplett neue Motorengeneration gab es irgendwann. Und viele Auspuffrohre. Laute obendrein. Innen hat es sich aber immer irgendwie gleich angefühlt. Gleich alt. Die Instrumentierung zum Beispiel – grafisch auf Höhe eines Rover 75. Das „Infotainmentsystem“ kann laut Handbuch zwar Mobiltelefone an die Leine nehmen und auf ihnen gespeichterte Audiotracks abspielen, hinbekommen haben wir das aber nicht.

2011 Jaguar XKR-SDas alles wäre egal gewesen, wenn der XK seinem Äußeren treu geblieben wäre. Der eleganten Form, den gestreckten Linien und der unnachahmlichen Aura britischer Aristokratie. Stattdessen lackierte man ihn Schlumpf-Blau, montierte Stehplatz-Haltegriffe aus der U-Bahn an die Front und klebte ein S an das R. Fertig war der Rennwagen. Klar, Leistung hilft immer, auch ein aktiv geregeltes Sperrdifferential an der Hinterachse kommt gut, aber man macht mit einer etwas direkteren Lenkung, 20-Zoll-Felgen und einer Hooligan-Optik aus einem 1800kg-Coupé noch lange keine glühende cruise-missile für den Racetrack.

Jaguar XKR-S GT

Immerhin, der XKR-S wurde erst nur „limitiert“ gebaut, am Ende dann „auf besondere Bestellung“. Drum gerissen scheint sich die Kundschaft nicht zu haben. Nicht anders ist zu erklären, warum es nun den XKR-S GT gibt. Vielleicht ist aber auch einfach in der Lagerhalle, in der die nicht verkauften XKR-S sich die Räder platt gestanden haben, irgendwas vom Hochregal gefallen. Und so mussten die britischen Artgenossen des homo constructus schnell ein paar Carbonheftstreifen an die Front des Coupés schrauben, um wieder für Halt zu sorgen.

Auf dem Papier liest sich diese Not-OP natürlich großartiger:

  • Addition of carbon-fibre front splitter, dive planes, extended wheelarch spats, an elevated rear wing, a rear diffuser and an optimised aluminium front valance contribute to a maximum downforce figure of 145kg (320lb)
  • Carbon ceramic brake system with 398mm and 380mm discs front/rear, gripped respectively by six- and four-piston monoblock calipers
  • Electronic Pre-Fill system pressurises braking system and maximises braking performance
  • The addition of race-derived, height-adjustable and retuned adaptive dampers with twin-spring system. Spring rates up by 68% at the front and 25% at the rear
  • New development of front and rear suspension from the F-TYPE sports car
  • The fitment of an F-TYPE steering rack for enhanced agility
  • New, wider 20-inch forged alloy wheels shod with Pirelli Corsa 255/35 front and 305/30 rear tyres for maximised grip
  • Bonnet louvres aid engine cooling and reduce under-bonnet air pressure

Was dieses etwas grotesk geflickte Sondermodell des Sondermodells des Auslaufmodells kosten soll wissen wir nicht. Vielleicht gibt es aber Rabatt wenn man die Payback-Punkte seiner Baumarktbonuskarte anrechnen lässt…

Jaguar XKR-S GT

Jaguar XKR-S GT

Jaguar XKR-S GT

Jaguar XKR-S GT

Jaguar XKR-S GT

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