Turbo ohne turbo – der neue Porsche Panamera

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Zwar haben wir mit dem mächtigen Panamera eine gewisse Zeit gebraucht, aber am Ende fanden wir ihn dann doch irgendwie gut. Vor allem, wegen des feinen Achtzylinders unter der langen Motorhaube.

Porsche Panamera

„Und wenn Du nun beherzt ans Gas gehst, dann weißt Du, warum 400 PS mehr als genug sind. Herrlich steigt der V8 durch die Drehzahlleiter. Kräftig in der Mitte – aber nicht mit diesem unnützen Turbo-Schlag, der sowieso nur das Profil vom Reifen radiert – und furios oben heraus. Das klingt selbst mit der serienmäßigen Abgasanlage fein. Natürlich dringt der Soundtrack nur sehr gedämmt ans Fahrerohr, aber wenn Du im Tiefflug unterwegs bist, dann sowieso mit voller Konzentration und da hörst Du den Achtzylinder mehr als ausreichend. Auch das Ansauggeräusch gefällt. In Zeiten, in denen nur mehr der Klang der Abgasanlage synthetisiert wird, ja sogar mit Lautsprechern aufgeplustert, freut es umso mehr, dass man den Motor auch mal einatmen hört.

Porsche Panamera 4S - MahagonimetallicDer Umstand, dass es sich um einen Saugmotor handelt, freut aber nicht nur in Sachen Klang und Ansprechverhalten, sondern auch an der Tankstelle.“ – so notierten wir im Herbst vergangenen Jahres, als wir schnell noch einmal den schweren Stuttgarter zum Test baten. Ein feines Auto wollten wir, edel ausgestattet, mit geschmackvoller Farbkombination. (Allein schon deshalb, um in Ingolstadt für lange Gesichter zu sorgen*) Und so kam er dann auch: in Mahagonimetallic, mit Naturleder Cognac, RS Spyder Design Rad und Burmester Soundsystem. Dazu Wuzelholz. In einem Porsche. Und es war gut. Sehr gut sogar.

Das Beste aber war der Verbrauch. Im Feierabendverkehr von Stuttgart nach Frankfurt hast Du normalerweise bis zum Karlsruher Kreuz schon vor lauter Frust das Leder vom Lenkrad gebissen, doch die Präsenz des Panamera besänftigt. Alleine der Geruch des Leders. Auf Wunsch – umsonst ist auch in der Zuffenhausener Oberklasse nichts – staffieren sie Dir so ziemlich alles was mit den Händen zu greifen und den Augen zu sehen in Leder. Und das in einer Qualität, die mindestens unübertroffen ist. Doch zurück zum Fahren. Die Autobahn öffnet sich in Richtung Mannheim, der Verkehr dünnt ebenso aus wie die Tempobeschilderung – der Panamera kann sich ein wenig strecken.

Porsche Panamera 4S - Mahagonimetallic

Nach 1:51h ist der Parkplatz vor dem Stamm-Bar erreicht, der Bordcomputer hat einen Schnitt von 110km/h errechnet und weist dabei eine viel beeindruckendere Zahl aus: 8.5 Liter/100km. Was bitte soll da noch downgesized werden?

Porsche PanameraViel – wenn man den Ingenieuren glauben darf. Und so gibt es den neuen Panamera zwar noch als S und 4S, nicht mehr jedoch mit dem fantastischen 4.8 Liter V8. Denn S und 4S sind jetzt Turbos. Nur ohne turbo. Denn der Schriftzug bleibt dem Topmodell vorbehalten – auch wenn jetzt erstmals in der Geschichte der Marke ein Benziner unterhalb der Vollfettstufe zwangsbeatmet wird. Der neue Dreiliter-V6 schafft es das Aggregat so auf 420PS und 520Nm. Letztere liegen natürlich schon früh und auch noch besonders lang an – besser also, als das ein schnöder Sauger je könnte. Dabei ist der V6 natürlich sparsamer. Achtzehn Prozent sagt der NEFZ.

Porsche PanameraGlauben wir kaum. Denn: turbo läuft, turbo säuft. War so, ist so, bleibt so. Auch Direkteinspritzung, magere Kennfelder und Lambda-1-Einhaltung helfen in der Realität nicht wenn man es ein bisschen laufen lässt. „Da gemäß der Vorgaben im NEFZ beispielsweise die Klimaanlage beziehungsweise die Heizung ausgeschaltet ist, kann die Reichweite im Realbetrieb allerdings schwanken“ – bemerkt selbst Porsche in der offiziellen Pressemitteilung.Und man lässt einen Panamera laufen. Sonst hätte es ja auch ein A8 getan. Oder gar ein Phaeton. Unser Tipp deshalb: einen alten Panamera S mit leichtem Frontschaden kaufen und dann von der Werkstatt des Vertrauens auf die neuen LED-Scheinwerfer umrüsten. Denn das Facelift sieht schon gut aus. Wenn eben der Motor nicht wäre…

Das Ganze kommt dann auch billiger als der neue Panamera, denn die Preise beginnen dort erst bei 81.849 Euro für den Panamera Diesel und 83.277 Euro für den Panamera. Der Panamera 4 liegt bei 88.513 Euro, der Panamera S bei 101.841 Euro und der Panamera 4S bei 107.196 Euro. Der Panamera S E-Hybrid kostet 110.409 Euro, danach folgen der Panamera GTS mit 121.595 Euro und der Panamera 4S Executive mit 132.662 Euro. Top-Modelle sind der Panamera Turbo für 145.990 Euro sowie der Panamera Turbo Executive für 163.364 Euro.

Executive bedeutet übrigens +15cm mehr Radstand. Die Chinesen möchten das so. Sie wohnen nämlich gerne im Fußraum.

Porsche Panamera

Porsche Panamera

Porsche Panamera

Flickr-Galerie vom Neuen.

Flickr-Galerie vom Alten.

Bilder von im Fußraum wohnenden Chinesen.

Ganzer Fahrbericht vom Alten.

*lange Gesichter in Ingolstadt.

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