Oh VAQ – der Golf GTI

„Damals, als wir noch dachten, wir seien die wildesten Hunde auf Erden – Aber so richtig schnell war es halt doch nicht, damals; zumindest bei weitem nicht so schnell, wie es unsere eigenen Legenden erzählen.“

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Das, was Peter Ruch über seine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Ur-GTI schreibt hat aber auch einen handfesten Vorteil: „Man kommt an die Grenzen des GTI schon in Geschwindigkeitsbereichen, bei denen man noch nicht mit beiden Beinen im Gefängnis steht.“ Heute ist das ein wenig anders. Wenn ein Sportmodell keine Leistungsrekorde bricht, die Nordschleife schneller als alle Kontrahenten bezwingt und dazu noch dafür sorgt, dass der Juchtenkäfer weiterhin heimisch bleibt, dann ist das schlecht. Weil langweilig.

asphaltfrage.de | VW Golf VI GTI | Wallpaper 1Weshalb dieses Attribut gerne in einem Atemzug mit dem GTI genannt wird. Denn der Begründer der scharfen Kompaktklasse hat sein Ziel aus den Augen verloren und ist zu einer Ausstattungslinie degradiert worden. Trauriger Höhepunkt: die Generation IV. Warum da genau GTI dran stand lässt sich im Rückblick nicht mehr wirklich erklären. Doch die Zeiten ändern sich. Und VW ist besser auf Kurs denn je, da interessieren die Irrungen der Vergangenheit kaum. Vor allem, wenn Dr. Hackenberg locker und fröhlich von der Entwicklung des neuen GTI erzählt. Und dem was da noch kommen wird. Es scheint fast so, als ob man sich in Wolfsburg spitzbübisch darüber freue, dass noch niemand wirklich verstanden hat, mit welcher Wucht die MQB-Keule tatsächlich einschlagen wird.

asphaltfrage.de | VW Golf VII GTI | VAQ | Vorderachsquersperre | Wallpaper 1Als Beispiel: VAQ. Was hat man geätzt, dass der Golf ein biederer Langweiler sei. Gegen Megane RS, Focus ST und all die anderen Wilden nicht den Hauch einer Chance hat. Und dann kommt die Sperre. DIE Sperre. Kein schwaches Torsen, keine vorgespannte Lamellensperre, sondern eine mit Haldex entwickelte vollvariable Sperre , welche vom offenen Differential bis hin zum starren Durchtrieb alle Sperrgrade stufenlos einstellen kann. Dazu werden Raddrehzahlen, Fahrzeuggeschwindigkeit, Gierrate, Lenkwinkel und Querbeschleunigung mit in die Sperrwertrechnung einbezogen. Selbstverständlich auch die dynamische Achslastverteilung, damit man dem belasteten kurvenäußeren Rad noch eine Extraportion Drehmoment mitgeben kann. Quasi als „torque vectoring“ ohne Überlagerungsgetriebe.

VW Golf VII GTI Performance

VW Golf VII GTI PerformanceKlingt komplex, fährt sich aber nicht so. Anbremsen, einlenken, hart ans Gas und die Vorderachse zieht den GTI in den Radius. Kein Zerren in der Lenkung, kein Regeleingriff vom ESC – einfach nur totale Traktion. Je schlechter die Bedingungen, desto größer der Vorteil. Das alles kommt jedoch zu einem Preis. Denn der kurvenäußere Reifen bedankt sich relativ schnell. Nach einem guten Dutzend Runden rund um die wunderbare Strecke in Le Castellet sieht der Bridgestone S001 schwer mitgenommen aus. Aber wer nicht nur über 1g Querbeschleunigung, sondern eben auch mit dem Großteil von 350 energischen Newtonmetern umgehen muss, der kommt einfach an seine Grenzen.

VW Golf VII GTI PerformanceVW Golf VII GTI Performance
Vielleicht liegt hier auch das größte Problem des neuen GTI – er fährt sich zu leicht schnell. Man lümmelt bequem in den Karositzen, das Dynaudio-Soundsystem bespielt dich mit feinen Klängen, die Klima fächelt sanfte Erfischung und doch brennst Du quasi ohne Anstrengung schnelle Zeiten in den Asphalt. Leichtgängig die Lenkung, die Bremse verzögert auf Befehl des großen Zehs und die Kupplung lässt sich ebenfalls kraftfrei bedienen. Die alte Langeweile also wieder? Nein, eher eine klare Marschrichtung. Der GTI ist kein Auto für einen kleinen Zirkel von Benzinbrüdern, die sich nach einer schnellen Landstraßenpartie Schwielen an den Händen und ein nassgeschwitztes T-Shirt wünschen, um sich dann vor Freude auf die stolz geschwollene Brust trommeln zu können.

VW Golf VII GTI Performance

Der GTI muss alles können. Langsam, schnell, komfortabel, sparsam, elegant, sportlich. Und er macht das gut. Den Spagat den ihm seine Techniker beigebracht haben ist wirklich bemerkenswert. Das wirklich schlimme an der Sache aber ist: all das was er nicht kann können die anderen aus dem MQB. Und ein Golf R wird auch noch kommen. Und ein Performance-Diesel mit einer Literleistung von 136PS. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Fürchten. Oder zum Kaufen. Ihre Entscheidung!

VW Golf VII GTI Performance

Wir haben nicht nur ein paar weitere Bilder in unserer Flickr-Galerie, sondern ein paar Videos aus Le Castellet mitgebracht.

#1 mit Altmeister Jacky Ickx am Lenkrad – „it’s always a matter of technique!“

#2 hinter „bigbloger“ Stefan Anker:

#3 mit freier Strecke und viel Redebedarf bei 180km/h!

Text: fm
Bilder: VW (2), fm

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