iThunder #2 – Lamborghini Aventador

Mit Wörtern ist es wie mit Fleisch. Man genießt es am Besten pur. Ohne Kräuterbutter, ohne Bilder, ohne Ablenkung. Deshalb nun der „director’s cut“. Bilder und andere Möglichkeiten automobiler Ablenkung finden sich beim MOTOR-TALK!

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(Ein Bild braucht es dann doch. Die sozialen Medien wollen ja auch etwas zum Vorschauen…)

Was bisher geschah:

Es gibt so eine unangenehme Lebensphase, etwa zwischen jugendlich-saftigen 18 und senil-bettflüchtigen 78, da sieht man morgens um 01:30 nach ein paar Stunden Schlaf einfach richtig scheiße aus. Aber man muss der Wahrheit ins Gesicht schauen, auch wenn man sie vor lauter Augenringen kaum sehen kann. Immerhin baut es ein wenig auf, wenn Dich am Ende der knapp 1000 Kilometer langen Etappe nach Bologna ein vollgetankter Lamborghini Aventador erwartet.

Denn auch wenn wir uns seit zwei Jahren an seine Form gewöhnen konnten – der italienische V12-Hammer schafft es heute trotzdem immernoch ganze Reisebusgruppen das Fotomotiv wechseln zu lassen.

Zu unfassbar seine Ausmaße, zu grotesk seine Kanten, zu grell seine Farbe. Vor allem aber: das Geräusch. Beim Kaltstart etwa, nach dem Du die alberne Abdeckklappe über dem Startknopf hochgefummelt hast und die sechseinhalb Liter nach kurzer italienischer Anlassertheatralik selbstbewusst ins Leben springen. Diskret ist anders. Aber darum geht es beim Lamborghini einfach: Drama! Den Knopf haben wir schon angesprochen, den Türmechanismus kennt mittlerweile jedes Kind und die aufgestellten Ohren zur besseren Anströmung der Wasserkühler müssen einfach sein.

Und erst wenn Du im Rückspiegel diese glutorangefarbenen Ecken siehst, bist Du richtig unterwegs. Wenn sich die 700PS anstrengen müssen, der ganze Motor so richtig erregt ist und immer wieder auf den Drehzahlgipfel klettert. Dort oben dann, an der 8000er-Marke, wenn der Drehzahlmesser seine Farbe von gelb hektisch auf rot gewechselt hat, ziehst Du an der Schaltwippe und weißt, warum Lamborghini dem ISR-Getriebe das „emotionalste Schaltgefühl der Welt“ attestiert. Denn die unabhängigen Schaltgestänge pro Gang (independend shifting rods) ermöglichten den Technikern paralleles Herausnehmen des geschalteten Ganges und Einlegen des nächsten. Das spart Zeit. 50 Millisekunden geben die Italiener an für den kompletten Vorgang des Auskuppelns, Schaltens und Wiedereinkuppelns.

50 Millisekunden, das klingt schnell, ein Doppelkupplungsgetriebe kann das nicht besser. Und doch fährt Dir die Strenge des Schaltvorgangs im Corsa-Modus derart rein, dass Dein Kopf trotz bestmöglich vorgespannter Nackenmuskulatur wie ein zu lose angenähter Puppenkopf durch das Cockpit baumelt. Dazu immer wieder das Geräusch wenn der V12 am Drehzahlbegrenzer kratzt und auch im nächsten Gang wie der Teufel wütet. Schon im Vierten wischt der Tacho mühelos über die 200er-Marke, die Kurvenradien werden plötzlich enger, andere Verkehrsteilnehmer rasend schnell größer und Du hast dann eben noch dieses zwei-Meter-und-ein-bisschen-Heck hinten anhängen.

Der Aventador verlangt Deine volle Konzentration. Und deshalb solltest Du nicht zu lange im Corsa-Modus unterwegs sein. Nicht, weil Du zu wenig Mumm für die unbarmherzige Federung hast, nein, eher weil man irgendwann einmal einen Fehler macht. Zu spät auf der Bremse, zu wenig Lenkwinkel oder einfach nur zuviel Gaseinsatz: im Rennstrecken-Modus bist Du der Dirigent. Und wenn es schief geht, dann geht es schief. Bei wenig Auslaufzone und der schnellen Landstraßenpartie ist deshalb der Sport-Modus vollkommen ausreichend. Die Gasannahme ist so etwas wie dosierbar, sofern man bei 700PS eben davon sprechen kann, die Dämpfung eine Spur angenehmer, vor allem aber ist die Stabilitätskontrolle wachsamer.

Denn trotz Allradantrieb und mächtigen Pirellis ringt der große Lamborghini im harten Einsatz gerne mal um den nötigen Grip. Er tanzt und springt über den schlechten Belag der norditalienischen Hügel und braucht trotz strammer Führung am Lenkrad jeden Zentimeter Platz, den er bekommen kann. Da ist es gut, wenn Dir die Traktionskontrolle die letzten fünf Prozent Heißblütigkeit kappt. Über kurz oder lang würdest Du Dir daran auf öffentlicher Straße sowieso nur die Finger verbrennen. Und es lodert auch so noch genug Feuer im Sport-Modus, keine Angst. Wer jedoch auf Strada durch die Gegend flaniert, der sollte sich schämen. Die automatischen Gangwechsel ziehen sich beinahe in Smart-Länge, die Lenkung hat jegliche Präzision verloren und der Motor trödelt zahnlos herum. Exemplarischer als im Aventador kann man wohl derzeit die Auswirkungen verschiedener Steuergerät-Regelschwellen nicht demonstrieren.

Aber wenn Du Dich brav von diesem Boulevard-Setup fernhältst und dem großen V12 ordentlich Auslauf gewährst, sich die Kinder am Ende des Tages die Nase an der Scheibe plattdrücken und die Schienbeine am gigantischen Endrohr verbrennen, darfst Du zufrieden sein. Weil Du das zarte Zittern kaum verbergen kannst während Du die „Zigarette danach“ zum Mund führst.

Denn ein Lamborghini ist eben ein Lamborghini. Ein Tier. Und das muss man einfach bei den Hörnern nehmen.

Technische Daten:

Modell: Lamborghini Aventador LP700-4
Motor: 12 Zylinder Benzin, 6498cm³
Leistung: 515kW/700PS
Drehmoment: 690Nm
Antrieb: Allrad, Siebengang-ISR sequenziell
Verbrauch: 16.0l/100km Super+
0-100km/h: 2.9sec
Vmax: 350km/h
Preis: ab 312.970 EUR

An dieser Stelle vielen Dank an die Sponsoren der Tour: Pirelli für den ausgezeichneten Grip, Shell für das Hochoktanige und Vodafone für die schnelle Internetannbindung. mille grazie.

Und nicht zu vergessen – eher unbedingt lesen! – die Texte der Mitrasenden:

http://www.exclusive-life.de/italienisch-fur-wahnsinnige-teil-3-stierkampf-im-po/

http://worldtravlr.net/2013/07/road-trip-tag-4-der-kampf-mit-dem-wilden-stier-3812/

http://mein-auto-blog.de/roadtrip-fuer-ps-suchtkranke/

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8 Kommentare
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