iThunder #3 – Pagani Zonda P2 760 prototipo

Auch heute gilt: keine Ablenkung! Wichtig aber: den CLS zum Eingrooven lesen, danach den Lamborghini, denn sonst kann man den Pagani nicht recht einordnen. Bilder zum Pagani gibt es wie auch schon vorher beim MOTOR-TALK.

iThunder #2 - Pagani Zonda P2 750 prototipo  - asphaltfrage.de - Wallpaper 1

Wir alle haben es irgendwann einmal gelernt: Die Relativitätstheorie, die Krümmung von Raum und Zeit, den Einfluss der Massen und Geschwindigkeiten. Und doch wissen wir nicht viel mehr über den genialen Einstein, als dass er in Mathe nicht unbedingt der Beste gewesen sein soll und irgendwem die Zunge herausgestreckt hat.

Dabei hätte uns ein bisschen mehr Aufmerksamkeit in Physik bei der Begegnung mit dem Pagani Zonda P2 760 prototipo gut getan. Sehr gut sogar. Aber man lässt sich einfach zu gerne von den Zahlen leiten, stumpft angesichts der immer wahnwitzigeren technischen Daten modernder Supersportwagen ab, empfindet fast so etwas wie Langeweile, wenn der Bock nicht in unter drei Sekunden auf Hundert peitscht. Und dann lässt Du die 7.3 Liter das erste Mal von der Leine.

Noch bevor die Drosselklappen voll geöffnet sind, reißt es das bildschöne Kohlefaserheck herum, vor lauter Gegenlenken hast Du weder Zeit den Gang zu wechseln, noch geistige Kapazitäten frei das gerade Geschehene richtig einzuordnen. Zum Glück ist die Kreuzung in Reichweite des ersten Ganges. Anbremsen, durchatmen, Vorfahrt achten und wieder voll drauf.

Dieses Mal ist das Trommelfell weniger schockiert vom unfassbaren V12-Jaulen, das Maß an Gegenlenkeinschlag bekannt und die Nackenmuskulatur vorgespannt. Doch wenn die 780Nm guten Tag sagen, schlägst Du trotzdem hart an der Kopfstütze an und hast bis zum Drehzahlbegrenzer auch keine Möglichkeit dort wegzukommen. Doch da oben dann, irgendwo in der Nähe von 7500 Umdrehungen, wenn die 760PS heißblütig noch weiter nach vorne wollen, ziehst Du das rechte Paddle. Und bist schwerelos. 60 Millisekunden lang.

Und wer jetzt anführt, dass ein Lidschlag sieben Mal (!) so lang dauert und man diesen schon nicht mitbekommt, der hat die Relativitätstheorie wirklich nicht verstanden. Denn in diesen 60 Millisekunden prallen zwei Welten aufeinander: Die totale Ekstase eines tatsächlich feuerspuckenden Renn-Zwölfzylinders, dem Du gerade alles abverlangt hast, und die totale Stille, wenn das Getriebe die Zahnradpaare wechselt und Dein Körper als träge Masse hilflos im Monocoque schwebt. Es ist genau dieser Gegensatz, der das Fahrerlebnis des Zonda P2 so unvergleichbar macht.

Wie dieser so ergreifende Moment im Auge des Sturms jäh unterbrochen wird, wenn die Kupplung ohne mit der Wimper zu zucken den Zweiten kommen lässt. Wenn der Kopf wieder an die Stütze schlägt, das Trommelfell blutet und es Dir den Atem raubt, mit welcher Macht der alte AMG-Motor den Pagani in Richtung Horizont reißt. Dabei ist es dem 7.3-Liter-V12 auch egal wie schnell Du gerade bist oder welcher Gang eingelegt ist. Die Zeit vom Einkuppeln bis zum Begrenzer scheint immer gleich. Selbst auf der kürzesten Gerade drehst Du locker die Fünfte aus.

Denn auch wenn sie ihn liebevoll „nonno“ – also Großvater – nennen, der halb orange, halb carbonschwarze Zonda ist alles, nur nicht langsam. So haben die AMG-Ingenieure aus Affalterbach zum Beispiel noch einmal 82PS und 500 Umdrehungen im als eigentlich ausgereizten betrachteten V12-Triebwerk gefunden. Horacio Pagani war besonders der Punkt mit der Drehzahl wichtig, denn: wer höher drehen kann, der fällt nach dem Schalten nicht so tief. Das verbessert die Beschleunigung dramatisch, sagen die Techniker – Weil die Beschleunigung eines ausgedrehten Zonda ja nicht sowieso dramatisch genug wäre. Es muss eben immer Raum für Verbesserung geben.

Und das Pagani die Entwicklung beinahe besessen vorantreibt, zeigt wohl kein Auto besser als der Großvater. Denn dieser Zonda P2 760 prototipo hat wohl so ziemlich jedes Teil ausprobiert, das bei Pagani in Produktion ging. Seit 1999 wird jede Ausbaustufe auf seinen Rädern getestet, jede Motorvariante und jede Detailänderung an Fahrwerk und Spoilern. Mit der Testphase der Zonda 760RS-Konfiguration hat das der P2 nicht nur die eine Million Kilometermarke übersprungen, sondern auch die Rente erreicht. Denn mehr wird nicht kommen, weil: mehr kann auch nicht kommen. Schließlich hat Horacio in Physik gut aufgepasst.

Und nun, die Wahrheit:

Technische Daten:

Modell: Pagani Zonda P2 760 prototipo
Motor: 12 Zylinder Benzin, 7291cm³
Leistung: 559kW/760PS
Drehmoment: 780Nm
Antrieb: Heck, Siebengang sequenziell
Verbrauch: >15l/100km Super+
0-100km/h: <3.2sec
Vmax: >350km/h
Preis: unverkäuflich (als Zonda 760RS: 1.75 Millionen EUR zzgl. MwSt.)

Einen kurzen Überblick zum Trip (mittlerweile sicherlich bekannt) gibt es auf mein-auto-blog.de

Großer Dank an die Sponsoren: PirelliShellvodafone

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