#radical14 – BMW M4

Das Geräusch. Alles beginnt mit dem Geräusch. Einem schrecklichen. Ein Brodeln, ein Brummen, undefiniert, undeutlich. Tieffrequent zwar, aber eben: nichtssagend. Es könnte alles sein, aufgebohrter Vierzylinder, zahmer V8, sogar ein ambitionierter Diesel. Reihensechs, wo bist Du nur?

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Innen ist es dann noch ärger. Nicht gerade diskret versuchen Dir die Lautsprecher das Ansauggeräusch des alten V8 zu kopieren und Du fragst Dich: was soll das? Warum der Zauber? Weil die Welt nur mehr das US-Car-AMG-Gussklumpen-Gerumpel als akustisches Attribut für Leistungsfähigkeit kennt? Grausam.

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Dabei kann er es doch so gut. Nämlich genau dann, wenn die Drehzahlmessernadel wutentbrannt in die rote Zone stürmt. Wenn die Lader den Sechszylinder unbarmherzig unter Druck setzen und der sich auftürmende Drehmomentberg mit aller Gewalt das Profil vom Reifen föhnt. Dann ist er da, der feine Sound von BMW. Der, den kein anderer so hinbringt wie die Bayern. Der, für den allein es wert wäre, die Kiste zu kaufen.

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Denn hinter den zwei Turboladern, den Abgasklappen und Sound-Synthesizern verbirgt sich ein echter M-Motor. Auch wenn die Hartgesottenen jammern, dass da weder eine geschmiedete Kurbelwelle rotiert, noch das Öl durch den trockenen Sumpf gesaugt wird, der M4-Antrieb ist ein Traum. Druck aus dem tiefsten Keller – gerade in Verbindung mit dem DKG ist das Turboloch nur für ganz sensible Naturen spürbar – eine fette Mitte und als Krone noch echte Drehfreude.

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Dazu kommt ein Fahrwerk, das dem Triebwerk absolut das Wasser reichen kann. Was vor allem an der Vorderachse liegt. Ihr Grip ist eine Sensation. Untersteuern kennt der M4 nicht, die 255er Michelin Supersport reißen den Gelben bei jedem Tempo einfach ins Eck. Ein Traum. Für Konkurrenten wie C63 und RS4 eher ein böser und selbst für die Corvette kein besonders guter (wenn man sie denn auf ihren Holzreifen stehen lässt). Die Dämpfung ist ebenfalls okay, zumindest wenn man das EDC-Knöpfchen in der Comfort-Stellung lässt. Sport ist schon ein bisserl zu straff und Sport Plus kann man sowieso vergessen.

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Gleiches gilt beinahe auch für die Lenkung. Ein Ausbund an Transparenz ist sie sowieso nicht – in Verbindung mit der feinen Vorderachse ist das aber eh zu verschmerzen – weshalb man sie ebenfalls im Comfort-Modus stehen lassen kann. Wer sich das Fitnesstraining sparen möchte, der nimmt die Sport-Modi, die im Wesentlichen nur die Lenkkräfte massiv erhöhen und sonst wenig zur Sache tun. Beim Getriebe sollte man schon eher aufpassen. Zwar ist der DCT-Doppelkuppler eine wirklich gute Angelegenheit, hier bedarf es aber wirklicher Vorsicht bei der Einstellerei. Im Trockenen kann es gerne eine der mittleren Schaltgeschwindigkeiten sein, auch das Zwischengas beim Zurückschnicken ist dann netter als im Standard-setting, nur eben: Obacht im Nassen!

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Weil es Dich dann auf der Geraden einfach mal ein paar Meter versetzt beim Hochschalten. Eine mächtig neumodische „Maskierung“ haben sie ihm da im Programmcode versteckt und irgendwie überhöht der Bayer ganz merkwürdig das Drehmoment beim Wechsel in den höheren Gang. Unangenehm, wenn Du ihn sowieso schon ausgedreht hast, und die Traktion der Hinterachse mit dem Regen auf der Strecke mehr als genug zu tun hat. Dabei ist es nicht nur das Versetzen der Fuhre, das stört, es ist auch das rigide Eingreifen der Traktionskontrolle – selbst im M-Dynamic-Modus – wenn der nächste Gang dann im Kraftschluss ist. So ein bisschen verhungert er dann nämlich.
Und es müsste wirklich nicht sein. Weil er das bisschen Schalt-Show einfach nicht nötig hat. Zumal die Vorstellung im Nassen ansonsten echt überzeugend ist. Die Vorderachse haben wir bereits gelobt, die Hinterachse macht sich ebenfalls gut und die Bremserei mit den gigantischen 400mm-Keramikscheiben ist schlicht ein Traum: feinst dosierbar und absolut gnadenlos.

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Da kommen selbst die superben Michelins ab und an ins Schwitzen. Und wenn dann das erste Mal das ABS reinfährt und Du zwei, drei Meter mehr Platz am Kurveneingang brauchst, dann merkst Du auch, wie schnell Du mit dem BMW plötzlich bist. Weil es eben so einfach geht, weil alles richtig gut funktioniert und Du aus dem Stand vollstes Vertrauen in die Kiste hast.

Denn am Ende des Tages ist es ein ganz normaler BMW. Mit allem, was Du zum angenehmen Autofahrerleben brauchst, nur eben einem fantastischen Fahrwerk und einem sehr guten Motor. Und deshalb immer eine gute Wahl. Sicher, Ferrari 458 Speciale und 911 GT3 fahren dramaturgisch in einer anderen Liga, aber der BMW ist für das, was er ist, wirklich richtig gut.

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Und ja, es mag sein, dass der BMW ein bisschen ein rundgelutschtes Ding ist. Viele Knöpfchen hier, strammer Teutonen-Perfektionismus dort – everbody’s darling halt. Aber tief im Inneren ist er eben doch ein echter M. M für Motorsport, nicht M für Marketing. Und das muss man ihm hoch anrechnen.

Peter über den M4 – gibt es hier!

Die #radical14-Übersicht gibt es beim Klick auf das Buildl:

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