#radical14 – Ferrari 458 Speciale

Arrogant ist sicher das falsche Wort. Aber so etwas in der Art kommt Dir schon in den Sinn, wenn Du vor dem speciale stehst. Weil: der 458 Italia ist sicher alles, nur kein lahmer Boulevardgaul.

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Er ist die absolute Benchmark. Das Auto, an dem sich die gesamte Supersport-Riege diesseits millionenteurer Spielzeuge der Megawatt-Klasse messen muss. Und jeder erkennt das neidlos an, egal ob das Rentnerpaar in der beigen A-Klasse, der Prius-Treiber vorm Fairtrade-Markt oder der Lamborghini-Fan im tiefergelegten GTI. Ein Ferrari ist ein Ferrari. Und damit per se speciale.

Wenn der Italiener dann aber das neue Modell tatsächlich so nennt, darfst Du Dir sicher sein: alles andere ist Kindergeburtstag. Denn was für einen Ingenieur aus Maranello speciale ist, ist für den armen Rest schlicht unerreichbar.

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Entsprechend groß ist der Respekt vor dem glutroten mit den go-faster-Streifen. Meist ist der Schlüssel vergriffen, die anderen knallen mit ihm über die Hügel nahe der Käserei, bügeln über die regennasse Rennstrecke und wetzen über die Pässe, als läge der Führerschein am Abreißblock im Handschuhfach. Schade finde ich das nicht, schließlich bleibt so mehr Zeit zur Vorbereitung. Zum Ausmachen der besten Strecken. Zum Ausloten der Ideallinie und zum Sichergehen, dass kein Schutzmann im Busch steht und das Rennen vorzeitig abwinkt.

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Am letzten Morgen war ich dann bereit für meine Tour im 458. Mit unnachahmlicher Theatralik erwacht der V8 zum Leben. Rotzt und spuckt unwillig, während Du Dich mit dem Vierpunktgurt extra tief ins Chassis zurrst. Zart wärmst Du den trockenen Sumpf an, bis das virtuelle Dashboard „Feuer frei“ meldet. Und dann, ja dann…

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Es ist ein Schleichweg. Landwirtschaftlicher Versorgungsweg würde er in korrektem Beamtendeutsch sicher heißen und hier spuckt der Ferrari zum ersten Mal Feuer. In der Zweiten an der letzten Stallung vorbei und dann reißt Du die Drosselklappen auf Durchzug, der V8 erhebt die Stimme, klack, klack, peitschen die Gänge durch und schon springst Du mit zweizehn über die Kuppe im Maisfeld.

Sanft schmatzen alle vier Dämpfer bei der Landung, widerwillig quietschen die Keramikteller beim Anbremsen der 90°-rechts und noch während das Heck cremig durch die Ecke schmiert glitzern Dich die fünf roten Leuchtdioden am Lenkrad hell und unmissverständlich an, dass Du gefälligst die nächste Welle nachlegen sollst.

Alles ist wie im Rausch, einzig die Geräuschkulisse ist Beweis dafür dass Du im Hier und Jetzt bist. Denn: so laut träumt man nicht. Das Geräusch, das der 4.5-Liter V8 bei 9000 Umdrehungen am Tourenzähler von sich gibt, ist nicht weniger als atemberaubend. Worte können es nicht beschreiben. Du kannst Dir aber sicher sein, dass ein Automobil nie besser klingen wird, als ein voll ausgewrungener 458 speciale.

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Und es ist nicht nur der Ton allein. Es ist das ganze Erlebnis. Wenn die 605PS voll aufmarschieren und Dein Gehirn Mühe hat mit dem Streckenverlauf der sich an der Dünnglasscheibe vorbeizoomenden Welt Schritt zu halten. Wenn die Reaktion auf den Lenkbefehl so direkt übersetzt wird, dass Du vor lauter Übereifer plötzlich innen über das Bankett mähst. Wenn auch männlichstes Spätbremsen immer noch deutlich zu früh ist.

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Es dauert eine ganze Weile, bis Stammhirn und Nervensystem auf den Ferrari geeicht sind. Doch wenn nackter Unglaube in tiefes Vertrauen wechselt, dann bist Du angekommen – in einer ganz neuen Dimension. Alles geht so einfach. So spielerisch. So gnadenlos schnell.

Nie musst Du kämpfen, nie musst Du ihn zwingen, nie gar Gewalt anwenden. Der speciale schiebt Dich mit derartiger Leichtigkeit in bisher ungekannte Fahrdynamikregionen, dass Du weinen musst vor Freude. Vor allem, weil Du weißt: er ist es, der hier die Leistung vollbringt. Du sicher nicht. Du bist die träge, schwitzende Schwachstelle in einem System technischer Perfektion.

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Nur: er zeigt es nie. Er hängt Dir das rote Superhelden-Cape um und klopft Dir auf die Schulter. Denn während die Großmutter am Fußgängerstreifen anerkennend Beifall spendet, weil Du – das Heck in dicht-süßen Rauch gehüllt – den Kurvenscheitel perfekt ausmalst, arbeiten die Systeme tief im 458 hart daran, dass sie den heroischen Akt Dir anrechnet und nicht dem Auto.

Immerhin: Du musst schon wissen in welche Richtung Du das Lenkrad drehen musst, damit die Show eine große ist. Passt der Einschlag nicht, dann pfeift Dich auch der Ferrari rigoros zurück. Weißt Du aber ungefähr wie das mit dem Autofahren geht, dann lässt die Side Slip Control das Heck geschmeidig weglaufen und stimmt dabei in Echtzeit das Sperrmoment des Differenzials ab, damit Du weder zu weit rausruderst, noch untersteuernd verhungerst.

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Das Ganze funktioniert unter Abstimmung von Lenkwinkel, Gierrate, Geschwindigkeit und Querbeschleunigung derart perfekt und ansatzlos, dass Du irgendwann glaubst es seist tatsächlich Du, der dieses Theater dirigiert. Bloß: lass Dich nicht darauf ein. Du bist es nicht.

Ich habe meine Lektion gelernt. Auf der Rennstrecke im Regen. Dort, wo die Michelin Rennreifen nicht auf Temperatur zu bringen waren und Du für eine korrekte Funktion der ganzen Dynamik-Gizmos tatsächlich fahren können musst. Hier kann selbst der schnelle 458 den Dilettantismus des Lenkers nicht überschminken. Deshalb: vergessen. Für immer. Stattdessen erinnere ich mich nur an diesen einen frühen Morgen, an dem mir der speciale eine andere Welt gezeigt hat.

Eine Welt, die nicht mehr wiederkommen wird*.

Und genau deshalb ist der 458 etwas ganz Besonderes. Sie haben es gewusst in Maranello – und ihn auf den einzig richtigen Namen getauft.

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*: Nächster Jahr kommt der 458M. Und mit ihm der Turbo. Also: das Ende. Und ja, mögen neue Twinscroll-Techniken, sequentielle Doppellader und E-Booster-Unterstützung bei 08/15-Sportmotoren ein Segen sein und vielleicht sogar besser als der vorangegangene Sauger – bei diesem Triebwerk wird es nicht so sein. Das feueratmende, 14:1-verdichtete Biest im speciale, dessen Ansprechverhalten sogar die E-Maschine im Tesla vor Neid erblassen lässt, wird keinen Nachfolger finden können. Weil: besser geht es nicht!

Die #radical14-Links sollten mittlerweile bekannt sein. Den Hub hat es (wo auch sonst) hier: radical-mag.com! Ton gibt es hier:

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