#radical14 – McLaren 650S Spider

Primus inter pares. Alle sind sie feinste Fahrmaschinen, gebaut nur für den einen Zweck: im knocking-on-heavens-door-Modus ums Eck zu gehen. Und doch, der McLaren ist auf dem Papier König.

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650PS. Achtkommasechs auf Zweihundert. Da bleiben keine Fragen. Außer vielleicht, warum man uns den weißen Spider auf ordinären Straßenreifen vor die Käserei stellt. Wo Ferrari und Porsche auf eigens angemischten, superhaftenden Michelin Cup antreten wirkt das in etwa so, als käme der Brite mit einem Messer zur Schießerei.

Doch Halt. Keine voreiligen Schlüsse. Denn da wäre ja noch das Wetter. Mittlerweile dürfte bekannt sein, dass es zwischenzeitlich auch richtiges Dreckswetter in der Schweiz hatte. Deshalb war der 650S Spider auch die erste supersportliche Waffe, mit der ich mich auf die Rennstrecke wagte. Denn: was soll schon passieren mit den grob profilierten Pirellis?

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Sofort bist Du drin. Weil der Spider ein Umfeld allgegenwärtiger Kontrolle bietet. Sitzposition und Pedalausrichtung sind hundertprozentig zentriert. Du findest Dich perfekt eingebettet zwischen den beiden sichtbaren Radkastenaufwürfen, was ein permanentes Auto-Gefühl erzeugt in den tiefen, keinen Müsliriegel-verzeihenden Rennschalensitzen. Zentralinstrument, null Spielereien im Lenkradkranz, ablenkungsfreies Ausgerichtetsein auf das reine Fahren. Die volle Zuwendung. Zwei Paddles, zwei Pedale, mehr braucht man nicht.

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Schon nach ein paar Kurven bist Du richtig schnell unterwegs. Dabei seufzt das Overboost-Ventil sanft hinter Deinen Ohren, als hätte es mit dem heftigen Treiben nichts zu tun. Doch auch bei schärferer Gangart wird der Ton des V8 kein grober. Turbomotoren sind eben keine Symphoniker. Machtvoll zwar, aber im Vergleich zu den Saugerarien, die hier im Vergleich über die Strecke schallen, doch eher blass.

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Nur wehe Du schaltest ihn scharf. Wenn die Lader das erste Mal richtig Luft holen, die Drehzahlnadel energisch über die 4000 wischt, dann hast Du: Panik. Vor der eigenen Courage. Wüst, gar bösartig ist das. 650PS sind einfach eine heftige Motorleistung. Exotische Tricks wie die Nutzung der Schwungmassenträgheit zur Drehmomentüberhöhung während Du die Gänge nachlegst sorgen überdies dafür, dass das Beschleunigungsinferno im McLaren wirklich grob ist.

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Überhaupt, die Schalterei ist wirklich etwas ganz Feines. Die edel gefrästen Wippen hinter dem Lenkrad sind zweistufig zu bedienen: In der ersten Raste wählen sie den nächsten Gang nur vor, stimmen das Doppelkupplungsgetriebe praktisch auf den bevorstehenden Wechsel ein. Man muss sich das in etwa wie den Auslöser einer guten Spiegelreflexkamera vorstellen. Erst scharfstellen, dann verzögerungsfrei auslösen.

Wenn Du das Prinzip verstanden hast ist die ganze Prozedur wirklich „seamless“, wie McLaren es nennt. Und das Gefühl dabei ist einfach gut. Richtig gut. Weil es Dir, zur rechten Zeit eingesetzt, eine Art Hoheit über das Auto gibt. Denn allen Algorithmen zum Trotz weißt eben nur Du als Fahrer wann Du den nächsten Gang haben willst. Und mit dem Vorlegen schnalzt er eben immer genau dann rein, wenn Du es brauchst. Befriedigend, wirklich.

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Denn es sind genau diese Feinheiten, die den 650S greifbar machen. Und das braucht er, ist er ansonsten doch wirklich mehr die kalte, perfekt exekutierte Fahrmaschine. Weil er eben alles kann. Selbst das Lenkrad gleitet beim Einstieg zuvorkommend nach vorne, um Dir den Einstieg zu erleichtern, wie man es sonst nur aus schweren Luxuslinern kennt. Überhaupt gibt es etliche Annehmlichkeiten der halbheimlichen Art. Von Sound- über Klimaanlage, Navi, Bluetooth, Rückfahrkamera, bis hin zum elektrisch betätigten Klappdach. Alles funktioniert perfekt. Auch die Verarbeitung: Du sitzt in einem sündig-schönem Arrangement aus schwarzem Alcantara, Carbon und eloxiertem Aluminium. Wenn man bedenkt, das McLaren eigentlich noch nie Straßenautos gebaut hat und mit dem MP4-12C erstmals in die Serienfertigung eingestiegen ist – Respekt.

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Und genau das ist das richtige Wort. Respekt. Der McLaren 650S ist ein Alleskönner. Schnell, komfortabel, gutaussehend. Vielleicht ist aber genau das sein größtes Problem. Er erobert Dich nicht im Sturm. Er braucht Zeit. Und die richtige Einstellung. Technikverliebte haben es einfacher mit ihm – ein Charmeur wie der Ferrari ist er nicht. Weshalb er eben doch nicht der Primus ist.

Denn ein perfektes Auto ist vielleicht gerade deshalb nicht das Beste.

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