#radical14 – Porsche 911 GT3

GT3. Porsche. Im Grunde könnte alles ganz einfach sein. Ist es natürlich nicht. Denn Fortschritt bedeutet Wandel. Und Wandel hat Feinde. Warum aber? Ist es wissenschaftlich doch geklärt, dass es nicht Dinge sind, die glücklich machen, sondern Erlebnisse.

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Und erleben wirst Du viel.

Nicht auf den ersten Blick, nein. Ein Porsche ist schließlich kein Schauspieler. Alles ist wie immer. Der Schlüssel fällt von selbst in die Linke, das Arrangement im Innenraum zeugt von fünfzig Jahren Übung. Und doch: enge, wildlederbezogene Schalensitze, dazu ein massiver Stahlrohr-Verhau im Rückspiegel, daneben: Feuerlöscher.

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Zum Spaß sitzt niemand im GT3. Also: im Sinne von aus Versehen. Er ist ein Auto zum Fahren. So, wie man es sonst nur aus den Werbefilmchen der Autoindustrie kennt. Dort, wo man noch fährt und nicht stausteht. Aus purer Freude und nicht als Rettungsanker fassungsloser Verzweiflung einer Ihrer Mobilität beraubten Gesellschaft.

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Denn ein 911 GT3 ist alles, nur kein Heilmittel für Orientierungslosigkeit. Unmissverständlich macht er das schon im Stand klar. Die übliche 911er-Faust. Geballt, dank breiter Kotflügeln, wundervoll geschmiedeten Felgen und natürlich: dem Flügel. Feststehend, eh klar. In perfekter Aerodynamik-Harmonie mit dem Fahrwind spielend.

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Überhaupt, Harmonie. Allerorten triffst Du sie. So etwa nach dem Kaltstart. Keine bellende Fanfare, kein künstliches Drama. Stattdessen ein akustisches Selbstleuchten, wie es nur die allerfeinsten der feinen Triebwerke hinbekommen. Eine heisere Stimme. Unruhig zwar und doch: unerschütterlich fest.

Diesen grollenden, grummelnden, beim Herunterschalten kehlig-blaffenden Dreiachter im Rücken zu haben hat seinen ganz eigenen Reiz. Und schafft: Vertrauen. Wenn du dich konzentrierst, gleicht das Fahren im GT3 einem Tanz bei dem du dich mit Hüften und Schultern an die Kraft lehnst und Teil der Bewegung wirst. Du fährst nicht in einem Auto, du fährst mit ihm.

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In dieser Mühelosigkeit wirkt die Kultur seiner Abstammung: der Perfektionismus von Porsche. Denn Porsche ist vor allem ein Gefühl. Ein Gefühl das durch das feine Herausarbeiten unterschiedlicher Einzelheiten entsteht. Und wer auch immer seine Finger in Weissach während dieser Entwicklungsphase im Spiel hat – das waren keine Anfänger aus der Neigungsgruppe für darstellende Geometrie.

Die Genauigkeit in jeder Einzelheit und der Zusammenschluss zu einem abgerundeten Werk großer Fehlerlosigkeit – sowas machen Leute, die was erlebt haben und die fahren können. Sie sind die Philharmoniker unter den Ingenieuren, die, die mit ihrer Interpretation ein Modell völlig verwandeln können.

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Denn es ist egal, ob das elektrisch an allen Vieren gelenkt wird, ob die Gänge vorgespannt durch das PDK in den Kraftschluss peitschen: es geht um Gefühl. Um das Erlebte. Und das Ergebnis ist wunderbar. Alles liegt schwer und fest in der Hand. Zielen und Treffen, intuitiv, wie mit verbundenen Augen.

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Und dann fährst Du das erste Mal in die 9000. Als ob das Vorangegangene nicht schon genug gewesen wäre. Ein Geräusch, von einer mechanischen Dramatik, elektrisierend. Du bildest Dir ein den Begrenzer bissig zuschnappen gehört zu haben. Aber die Watschen, die Dich nicken lässt wie ein Puppenkasperle mit lose angenähtem Holzmurmelkopf, ist bloß der Sport Plus-Modus.

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In diesem no-more-bullshit-setting ist kein Platz für fahrerische Unschärfe. Du, im Auge des Sturms. Fräst dank ultrakurz übersetzen Gängen ständig in der hysterisch-fantastischen Zone zwischen 7500 und ich-spucke-jetzt-sofort-alle-Ventile-aus. Wirklich nur 475PS? Dem Vorankommen scheinen jedenfalls keine echten Grenzen gesetzt.

Doch das Schönste in mitten dieser Orgie aus Geschwindigkeit und Geräusch? Kontrolle. Unmittelbar und absolut. Sicher, PTV plus bremst innenkurvig zu, lässt den GT3 schärfer in die Ecke tauchen. Die lenkende Hinterachse klatscht ebenfalls Beifall. Doch wenn die Grenze erreicht ist, der Elfer behutsam dorthin wandert, wohin die Physik ihn schickt: dann liegt es an Dir.

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Du bist das Erlebnis. Du bist der Dirigent. Du bist der um den es geht. Intensiver denn je.

Würdest Du selbst in den Schaltgassen rühren, den Vorwärtsdrang von Hand sortieren wollen? Nein, denn Du hättest weniger Zeit zum Genießen. Vor allem: die schiere Geschwindigkeit würde Dich überfordern. Jeden Augenblick den Du geschenkt bekommst – oder gar die Konzentration – brauchst Du bitter, um das Gebotene zu packen. Denn ein 991 GT3 Clubsport ist kein Spielzeug. Er ist eine zur Perfektion gehonte Geschwindigkeitsmaschine.

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Statt ihn anzufeinden, was er uns an Einfluss genommen, sollte man ihm deshalb danken, was er uns gegeben: ein einmaliges Fahrerlebnis. Denn nur das macht glücklich.

Deshalb: Tiefe Dankbarkeit.

 

Entschuldigung/Erklärung (ganz wie man es verstehen mag): niemand interessiert sich mehr für uns – Jene, die tatsächlich Freude am Fahren haben. Nonkonformisitsch, nordpolverachtend, nein, total von gestern. Dann auch noch von Hand schalten? Wo kommen wir denn da hin. Und weil ein Porsche zwar wohl fährt, aber eben nicht die Wohlfahrt ist, gibt es nun PDK, Komfort und Infotainment. Es muss Geld verdient werden. Und es wird gekauft was das Gros der Kunden wünscht, nicht bloß ein paar Spinner. Wir sollten Andreas Preuninger deshalb dankbar sein. Eine solch tiefe Einbettung, eine solche Rückmeldung, ein solches Gefühl aus einer Maschine, die tatsächlich haarscharf an der vorstellbaren Grenze zur Perfektion schrammt – es ist eine Sensation.

Und genau deshalb steht der GT3 auch über dem 458 Speciale. Natürlich, der Ferrari lässt den Porsche in jeder Kategorie vor Neid erblassen und doch. Es ist ein anderes Gefühl. In einem Ferrari lassen sie Dich generös teilhaben an etwas Besonderem. Im Porsche bist Du Teil des Besonderen. Und das ist etwas ganz anderes!

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Hier lang, wer „das“ Geräusch hören will. Bis 1:22min spulen. Dann Festhalten!

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