Gedanken – the Pinnacle Portfolio

So ein bisserl steif ist der Concours d’Elegance in Pebble Beach ja schon. Männer mit Hut, Frauen mit noch mehr Hut, rote Hosen, feine Kleider, seidene Einstecktücher, teure Halsketten, Fächer, Manschettenknöpfe, anerkennendes Nicken, small-talkendes Händeschütteln, akkurat gemähter Rasen, perfekt gekühlter Jahrgangschampagner.

Und eben: schwere Brieftaschen. Genau das ist der Grund, warum man an dieser Veranstaltung im Süden Kaliforniens doch nicht vorbeikommt. Es ist und bleibt der beste Termin, wenn man das wirklich wertvolle Gerät sehen möchte. Die Spitze der automobilen Schöpfung. Die Schönsten, Schnellsten, Seltensten. Wo sonst stehen sonst 250 GTO nebeneinander soweit das Auge reicht? Eben.

Deshalb besprechen wir vorab, quasi zum Einstimmen, noch einmal in kurzer Übersicht die Auftaktveranstaltung der Woche.

Das Pinnacle Portfolio.

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Jaguar XJ220. Als erstes Lot mehr ein Scherz. Oder ein genialer Start. Denn der große Jaguar sollte alle Superlative brechen, zu einer Ikone der Marke heranreifen wie es der SS100, die XK-Modelle, C-, D- und E-Type vor ihm geschafft haben. Was in Erinnerung blieb? Das ihn der McLaren F1 in jeder Disziplin in den Schatten stellte. Wie groß der Flop damals war: 281 Modelle hat nur Jaguar gebaut, dennoch standen sich 37 Stück davon jahrelang im Werk die Simmerringe undicht. Lot 101 ist einer davon. Nun natürlich mit größtem finanziellen Aufwand gesundrepariert und bereit zu großen Taten. Immerhin: er war mal (kurz) das schnellste Auto der Welt.

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Radical meint: ein liebenswerter Trottel. Im Verhältnis zu Leistung und Seltenheit eigentlich unterbewertet. Wertsteigerungspotential. Natürlich nicht wie die Großen, aber vielleicht eben ein bisserl im Kleinen. Daran ist er ja mittlerweile aber eh gewöhnt.

Estimate: 275.000-375.000$

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Porsche 959 Komfort. Passender könnte der Stuttgarter Plastikelfer gar nicht an die Auktionsrampe rollen. Pünktlich zum 30-jährigen Jubiläum seiner Präsentation wird Lot 102 der erste 959 sein, dem die volle „Oldtimer“-Aufmerksamkeit zu Teil wird. 21.100km auf dem Tacho, alle Wartungen eingehalten – was wichtiger ist, als man denken würde, denn im Gegensatz zu einem Elfer kostet eine große Inspektion beim 959 gerne mal ein paar zehntausend Dollar/Euro/Franken. Doch das ist der Preis für ein vollvariables Fahrwerk, Magnesiumfelgen mit Druckkontrolle, Registeraufladung, Carbon- und Kohlefaserleichtbauteile, wassergekühlte Zylinderköpfe, digital gesteuerten Allradantrieb aus der Gruppe B und so weiter.

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Radical meint: 3.9 Sekunden auf 100. 1985! Auch heute ist die Supersportwagengilde soviel schneller nicht. Teurer aber auch nicht. Nur: die meisten hatten nicht auf dem Radar, dass der 959 tatsächlich schon dreißig Jahre alt ist. Genau deshalb sind seine Leistungen und technischen Errungenschaften umso höher zu bewerten. Was man in den Preisen in Zukunft merken wird.

Estimate: 1.000.000-1.300.000$

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Ferrari Enzo. Nicht bloß ein Enzo, nein. Einer in Rosso Scuderia, nicht Rosso Corsa. Einer mit Daytona Sitzen. Mit Carbonspoiler ab Werk. Dazu noch: der Letzte. Nummer 400 von 400. Erstbesitz: Johannes Paul II. Man hatte ihn einfach dem Papst geschenkt. Weil man das so macht in Italien. Am Ende hat dann noch Luca di Montezemolo in großen goldenen Lettern unter der vorderen Haube unterschrieben. Weil man das in Italien eben auch so macht.

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Radical meint: mit Sicherheit der schnellsten aller heiligen Stühle. Ob es ihn jetzt wertvoller macht, dass der Papst mal an seinem Lenkrad gedreht hat, oder die Tatsache, dass er wirklich der Letzte ist? Mhmm. Aber in den USA ist alles möglich. Gerade, weil es wirklich keinen spezielleren Enzo als diesen gibt. Vielleicht ist er mit Lot 103 aber ein wenig zu früh in der Versteigerung, als das sein Preis ein getriebener sein wird?

Estimate: 4.000.000-6.000.000$

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Toyota 2000GT. Auch hier: Pinnalce. Der erste linksgelenkte 2000GT. Für die nicht ganz Geschichtsfesten: der 2000GT ist Japans erstes echtes Supercar gewesen. Leider damals teurer als E-Type und Porsche 911. Deshalb trotz feinem Styling und superbem Handling mit seinem etwas schwachen 150PS-Sechszylinder nicht wirklich ein großer Erfolg. Heute deshalb umso gesuchter, vor allem eben als Linkslenker.

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Radical meint: ein feines Teil. Selbst das Yamaha-Holz ist beinahe komplett intakt, blättert nur am Lautstärkeregler des Radios etwas ab. Kein Scherz: statt wie heute die Motoren zu liefern, oder wenigstens Know-How für selbige bereitzustellen, lieferte Yamaha für den 2000GT ganz normal das Holz für die Interieurverschönerung. Aus der hauseigenen Klavierabteilung. Warum auch nicht. Preistendenz: naja, über eine Million Dollar werden gerufen, das ist wirklich viel Holz.

Estimate: 1.000.000-1.300.000$

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Lamborghini Miura P400SV. Es dämmert so langsam, warum diese Sammlung „pinnacle“ heißt? Miura, mit goldenen Felgen, als SV. Dazu vermutlich eine der Besten, die es derzeit auf eigenen Rädern stehend gibt. Teure Restauration, hochdekoriert und sauberste Historie. Und eben: goldene Felgen! Es braucht zu einer Miura wirklich nicht mehr gesagt zu werden.

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Radical meint: kaum ein Auto ist je schöner gewesen als die Miura. Wirklich, ein Riesending, gestalterisch. Auch Leistung hatte sie reichlich. Bloß: Sitzposition, Fahrbarkeit. Das ging in Maranello immer ein wenig besser. Das sagt auch der Preis: hoch ist er, natürlich, aber eben nicht so komplett wild wie für die /4er-Ferrari.

Estimate: 2.000.000-2.300.000$

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Ferrari F50. Tatsächlich so ein bisschen der Langweiler. Keine besondere Chassisnummer, keine einzigartige Farbe. Ein ganz normaler F50 eben. Gut, sein Erstbesitzer gehört zum erlesenen Kreis der 250 GTO-Besitzer, aber deshalb einen besonderen Wert ableiten? Eher nicht. Aber: Karbonchassis, V12-Motor direkt aus der Formel 1, Fetzendach, sechs Gänge von Hand sortiert, keine Fahrhilfen. Der F50 ist genau das Auto, nachdem sie alle schreien.

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Radical meint: er steht am Anfang der Karriere. Einer der schönsten Töne der Verbrennungsmotor-Ära, dazu eine technische Klarheit (selbige übrigens auch im Innenraum) – ein Wahnsinn. Der F50 ist ein tolles Auto. Die Preise werden es zeigen. Die 2 Mio Dollar sind vielleicht noch etwas optimistisch, aber eben nur: noch.

Estimate: 1.600.000-2.000.000$

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McLaren F1 (LM). So, Hosen runter. Er hier, oder keiner. Ein McLaren F1, wie es keinen zweiten gibt. Ausgeliefert als vorletzter ordinärer F1 und damit per se schon ein „pinnacle“, hat ihn sein Besitzer ein klein wenig modifiziert. Heute heißt das Programm werbewirksam „McLaren Special Operations“, früher gab man seinen F1-Kunden einfach die Möglichkeit sein Auto den eigenen Vorlieben, oder den jeweils aktuellen Modelljahr- oder Motorsportänderungen entsprechend anzupassen. Deshalb steht #073 nun als einer von zwei F1 mit dem echten LM-Werksmotor da. Die 680PS in Zaum hält das Extra High Downforce Kit, nicht zu verwechseln mit dem High Downforce Kit, das vielen anderen F1 nachgerüstet wurde. Xenon-Lampen gab es noch in Woking und ein Intercom, weil der Sportauspuff die Unterhaltungen zwischen den Passagieren etwas erschwerte.

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Radical meint: Teuer. Die Frage ist nur: wie teuer? Rowan Atkinsons Unfallwagen soll über 8 Millionen gebracht haben. Der letzte (erfolgreich!) versteigerter F1 ebenfalls 8.5 Millionen. Was für ihn bezahlt werden wird? Zehn Millionen? Wir denken: ja, denn sie haben ihn ausgiebig gefeiert in der letzten Zeit. Jetzt muss die Kuh nur noch geschlachtet werden.

Estimate: auf Anfrage.

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Porsche 356 A 1600 Speedster. Gut, ein bisserl Abkühlung tut gut. Weil so richtig „pinnacle“ ist der Speedster nicht. Wir wollen ihm da gar nichts Böses, denn: er markiert den Startpunkt von Porsche in den USA. Dazu: Designikone, James Dean, Steve McQueen. Er war preiswert, gut fahrbar, zuverlässig und schnell. Doch, er ist eben nur ein 1600er. Ein echter „blue chip“-Speedster kommt nicht ohne den Fuhrmann-Motor aus.

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Radical meint: ohne das Carrera-Triebwerk fällt der Speedster ein wenig ab. Ein tolles Auto, klar, aber hier erwarten wir kein Preisniveau-prägendes Ergebnis.

Estimate: 270.000-320.000$

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Mercedes-Benz 300SL. Ein Flügeltürer ist immer eine sichere Bank. Bloß: es gibt so viele. Mehr gar, als vom modernen SLS. Seltener wird es dann schon, wenn es sich um ein Aluminium-Modell handelt. Von den gut 1400 Flügeln wurden nur 29 von Hand in das leichte Metall geklopft. Diese, meist für motorsportliche Zwecke genutzten SL waren zudem oft üppig ausgestattet: Sportfahrwerk, leistungsgesteigerter Motor und die Zentralverschlußfelgen von Rudge. Diese heute gesuchten Sonderteile-Varianten machen die Alu-Flügel teuer. So auch diesen hier, der bei Kienle vor einigen Jahren in besten Zustand restauriert wurde.

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Radical meint: natürlich, ein Traum. Einer von 29 echten Leicht-Flügeln, das muss gut sein. Nur: 198.043.5500786 wurde vor drei Jahren bereits von RM feil geboten. Damals blieb er bei einem high bid von 2.400.000 GBP stehen. Jetzt soll er 6.5 Millionen Dollar bringen? Irgendjemand scheint da ein bisserl zu oft „Wetten, dass?“ geschaut zu haben.

Estimate: 5.500.000-6.500.000$

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Porsche 993 Carrera RS. Ein Viech. Allein der große Clubsport-Spoiler (den Experten locker von dem des 993 GT2 unterscheiden können). Der 993 RS erlitt ein ähnliches Schicksal wie der F50 – er stand zu sehr im Schatten des Vorgängers. Stattdessen war er aber schneller, fuhr besser (Weissach-LSA-Hinterachse!) und war weit seltener, als der 964 RS vor ihm. Der hier angebotene ist zudem keine garage queen, sondern hat mit deutlich über 40.000 Meilen schon gute Zeiten auf der Straße erlebt.

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Radical meint: ein luftgekühlter RS ist immer etwas besonderes. Mit dem 993 hat man dazu noch den letzten, mit indischrot macht man nie etwas falsch und überhaupt. Kann man kaufen.

Estimate: 350.000-450.000$

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Bugatti Veyron 16.4. Klar, er muss dabei sein. Allein schon, weil er alle Superlative, die ein Auto sammeln kann gesammelt hat. PS, Geschwindigkeit, Servicekosten. Das der Konzern bei jedem verkauften Veyron noch draufgelegt hat (tüchtig!) versteht sich bei solch einem Prestigeobjekt von selbst. Dieser hier ist aber nicht irgendein Veyron, nein, er ist der erste. VF9SA15B36M795001. #001, Genesis, der Ursprung. Mit 764 Meilen auf dem Tacho.

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Radical meint: so richtig der Verkaufsschlager war der Veyron nie. Zehn Jahre haben sie für die 450 Stück gebraucht, die letzten 50 Exemplaren bestanden zudem aus gefühlt 51 Sondermodellen. Egal: #001 muss wertvoll sein. Wertvoller als die anderen zumindest.

Estimate: 1.800.000-2.400.000$

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Bugatti Veyron 16.4 Super Sport. So, jetzt wird es lustig. Was, wenn man den ersten Bugatti Veyron schon in der Garage stehen hat? Klar, man kauft auch den letzten. Nicht aber etwa #450, sondern Nummer 300. Denn Schließlich waren nur die ersten 300 Veyrons Coupés. Gefahren wurde der Super Sport allerdings super selten. 39 Meilen um genau zu sein. Die 269 anderen Meilen auf seinem Tacho gehen auf das Einfahrkonto des Werks. Und in diesen 39 Meilen ging es gleich zwei Mal zum Service. Wer #300 jetzt kauft, der bekommt übrigens zwei weitere Inspektionen und einen Satz Reifen von Bugatti umsonst (gilt für #001 ebenfalls!). Wert des Spaßes: gut 100.000 Dollar. Soviel zum Thema Unterhaltskosten.

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Radical meint: klar, 1200PS sind mehr als 1001PS. Aber „der Erste“ klingt doch bedeutend besser als „der Letzte“, oder? Der Preis für den Super Sport erscheint deshalb irgendwie hoch. Aber man muss ihn wohl sowieso als Bundlepreis sehen. Denn: wenn beide schon einmal gemeinsam zum Verkauf stehen, dann sollte doch bitteschön auch ein Käufer gleich beide einsäckeln. Service ist ja eh gratis.

Estimate: 2.500.000-3.000.000$

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Ferrari 250LM. Die Krone der 250er-Schöpfung, der GTO-Nachfolger, der alles in Grund und Boden fahren sollte. Bloß: die FIA hatte etwas dagegen, sah den direkten Zusammenhang zwischen den Frontmotor-Berlinettas und dem Mittelmotor-Rennwagen, der mehr auf dem 250P als auf den GTs basierte, nicht, was die Homologation verhinderte und den LM in die Prototypenklasse einsortierte. Dort hoffnungslos unterlegen schaffte er einzig 1965 zufällig den Le Mans-Gesamtsieg, weil eben jene schnellen Prototypen allesamt ausfielen. Dennoch ist der 250LM aber ein Traum. Formschön, schnell und zuverlässig. #6105 hat praktisch seine ersten zehn Jahre konstant auf der Rennstrecke verpasst, ohne nennenswert ausgefallen oder beschädigt worden zu sein. Nicht zuletzt deshalb einer der begehrenswertesten (weil originalsten) LMs.

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Radical meint: muss man haben. Die Preise sind eh vernünftig: zu einem LM gibt es noch einen SWB, einen Cali Spyder und einen Lusso für die Eisdiele – und man ist immernoch günstiger als mit einem GTO! Die letzten auktionierten liefen von 14.3 über 11.5 zu 9.6 Millionen Dollar abwärts. Man darf gespannt sein!

Estimate: auf Anfrage

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Mercedes-Benz SLR McLaren. Ja, auch der SLR gehört irgendwie in diese Sammlung. Er war der Versuch aus der Ehe zwsichen McLaren und Mercedes-Benz ein Kind hervorzubringen. Dass es am Ende dann nur zu einem sehr grob geschminkten und mit teuren Materialien bedachten SL 55 AMG reichte straften auch die Kunden ein bisserl ab. Bei der Konkurrenz gab es einen Enzo oder einen Carrera GT. Selbst der GT von Ford, damals weit günstiger, weil profaner in der Machart, notiert heute auf dem Niveau der SLR. Immerhin: dieser hier hat nur 134 Meilen auf dem Tacho, man darf also auch gleich noch sämtlichen Dichtungen tauschen, bevor man ihn das erste Mal auf die Straße holt.

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Radical meint: hätte er keine Sidepipes, wären wir nicht des Lobes. Glück für den SLR. Preislich wird er um seinen ungefähren Neupreis dümpeln, mehr aber auch nicht. Da hilft auch das 300 SLR-Leder im Innenraum für damals 10.000$ Aufpreis nicht weiter.

Estimate: 300.000-400.000$

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Lamborghini Reventón. Was für ein Ding, damals. 2007 auf der IAA enthüllt und alle sind in Ohnmacht gefallen. Die Einen angesichts des Millionenpreises, die Anderen angesichts seinen wirklich groben Stylings. Waren Lamborghini diesseits der Miura schon immer etwas schräg, der Reventón war schräger. Und ein lukratives Geschäft. Auf technisch unveränderter Basis des LP640 schneiderten sie eine frisch gefeilte Carbon-Karosserie, fertig war die super-exklusive Kleinserie. Zwanzig Kunden haben die 100.000$ teure Anzahlung bereits geleistet, bevor die automobile Welt überhaupt von der Existenz des Reventón wusste. Dass es auch der Beginn einer bis heute nicht enden wollenden Serie von super-exklusiven Kleinserien aus Sant’Agata sein sollte, konnte man ebenfalls nicht ahnen. Aber: die Italiener wissen eben wie man Geschäfte macht.

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Radical meint: kann man machen. Ein Aventador in mattgrau sieht soviel anders nicht aus, fährt besser, schneller und man hat noch ein Taschengeld für ein wirklich wertvolles Auto übrig. Denn preislich dümpelt auch der siebte aller zwanzig Reventón nur um seinen Neupreis.

Estimate: 1.400.000-1.800.000$

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Ferrari F40LM. Eigentlich war der LM ja gar nicht geplant. Der F40 sollte einfach ein Geburtstagsgeschenk sein. Und nebenbei das erste Serienauto, dass die 200mph schafft, nachdem Porsche mit dem 959 haarscharf an dieser Hürde gescheitert war. Herauskam, ja nun, das wissen wir alle. Der F40 ist sicher einer der wildesten und rohsten Ferrari aller Zeiten. Als sei das nicht begehrenswert genug, taten sich ein paar Händler und Wahnsinnige damals zusammen und baten bei Ferrari um Erlaubnis, dass man doch bei Michelotti eine noch schärfere Version des F40 bauen solle. Das Ergebnis sind 19 echte F40LM. Nicht nur leichter waren sie, auch beinahe doppelt so stark wie die herkömmlichen F40. Offiziell notierten die LM für die IMSA mit 730PS, wer das Dampfrad allerdings voll aufdrehte, erntete über 900PS. Gut zu wissen, dass man sich bei den Rennvarianten auch Gedanken über das Fahrwerk gemacht hat. So viele sogar, das zwei Exemplare anstelle der konventionellen direkten Anlenkung der Federbeine über eine pushrod-Anordnung verfügen. Und, eh klar, der einzige pushrod-LM in Privatbesitz ist eben dieser hier.

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Radical meint: gerade letztes Wochenende ging am OGP an Standard-F40 für über eine Million Euro über den Tisch, deshalb darf für diesen sehr speziellen LM alles erwartet werden. Es dürfte über Estimate gehen. Deutlich.

Estimate: 2.000.000-2.500.000$

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Maserati MC12. Die letzten echten Rennerfolge von Maserati waren lange her. So lange, dass sogar Ferrari Mitleid hatte und den Enzo als technische Basis für einen neuen GT1-Renner spendierte: den MC12. Erst sollten es nur 25 Exemplare werden um die Homologationsvorschriften zu erfüllen, es fanden sich dann aber genug Kunden und Maserati baute noch einmal 25 Stück. Technisch wie erwähnt dem Enzo quasi ident, nur beim Motor, da kappten sie 20kW ab, damit der Dreizack nicht zu scharf wurde. Leichtere Karosserie und bessere Aerodynamik des Langhecks aus Modena ließen den Vorsprung des Enzo aber dennoch schwinden. Auf der Rennstrecke fanden die MC12 großen Erfolg (auch mangels echter Gegner) und die Marke konnte mit ihnen die Reihe der lukrativen Maserati Corsa-Modelle starten.

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Radical meint: zu viel Rennwagen, zu wenig Maserati. Ein bisschen mehr Flair, Grandezza, Eleganz, ja, das täte ihm gut. So ist er wirklich nur Homologationszweck. Aber gut, wer keinen Enzo bekommen hat und obendrein noch etwas sparen will, dem sei er ans Herz gelegt.

Estimate: 1.500.000-1.900.000$

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Ferrari 250 GT California Spider LWB. Keine Sammlung ist solide ohne einen California Spider. Dieser hier glänzt gleich mit ein paar netten Details: die Lufteinlässe im Kotflügel etwa, übernommen vom damals noch weit teureren 410 Superamerica. Dazu der große Haubenlufteinlass, die nicht abgedeckten Scheinwerfer und leistungssteigernde Ansaugtrichter auf den drei Weber 36DCL3. Ebenfalls bei #1307GT mit dabei: illustrer Prinzenvorbesitz, Rennfahrer und ein silbernes Hardtop. Der Zustand ist ebenfalls gut, ordentlich restauriert und regelmäßig in guten Service-Händen sei er gewesen, der California.

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Radical meint: Prinz hin, Vergasertrichter her, ein California muss kurz sein, das lange TdF-Chassis braucht niemand, schon gar nicht mit nicht abgedeckten Scheinwerfern. Und eine Preissteigerung von neun Millionen Euro in vier Jahren ist dann vielleicht doch – spekulativ? Denn #1307GT wurde 2011 für gerade einmal 2.5 Millionen Dollar beim Concours in Villa d’Este verkauft.

Estimate: 9.000.000-11.000.000$

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Saleen S7. Ein Fehltritt in diesem illustren Kreis. Immerhin: 1000PS. Weil: Amerika. Design, Stil, Verarbeitungsqualität, von all dem hat der Saleen wenig, von allem anderen davon reichlich. Der hier feilgebotene ist einer der wenigen mit dem echten Competition-Paket ab Werk, wurde als Pressetestwagen (warum das genau preissteigernd sein soll, Ideen?) genutzt und danach in ein paar Filmen zu sehen (Redline und Iron Man). Zwischen diesen ganzen Terminen wurde er auf diversen Auktionen herumgereicht, meist mit wertverlierendem Erfolg.

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Unsere Meinung: wenn Sie nicht gerade Robert Downey Jr. Fan sind, dann braucht es den Saleen nicht wirklich. Immerhin: günstig sollte er sein: 2009 brachte er noch über 400.000 Dollar, 2011 waren es dann nur noch 297.000$. Ein klarer Fall von Gebrauchtwagen eben.

Estimate: 350.000-500.000$

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Ferrari 365 GTB/4 Daytona Spider. Das Auto für den echten Playboy. Lange Haube, mächtiger Motor, fehlendes Dach. Ein feines Ding und doch irgendwie ein Holzhammer, wenn man die Miura daneben stehen sieht. Aber gerade diese muscle car-Attitüde des Daytona macht heute viel von seinem Reiz aus. Er war das perfekte Auto für Amerika. Nix mehr mit feinem Gentleman, sondern fetter Macho. Das kommt auch heute noch an.

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Radical meint: „Ein Pferd spannt man vor den Wagen, nicht dahinter!“. Wir halten es mit Enzo Ferrari und finden den Daytona großartig. Ein Spider müsste es jetzt nicht unbedingt sein, die Dachform des geschlossenen 365GTB/4 ist großartig genug. Die Preiserwartung düften deutlich in den drei Millionen sein.

Estimate: 3.000.000-3.500.000$

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Ferrari 275 GTB/4. Longnose, vier Nockenwellen und dann auch noch dunkelblau mit hellblauem Leder. Wo darf man unterschreiben? Gut, die Borrani-Speichenfelgen vielleicht noch gegen die Magnesiumexemplare von Campagnolo getauscht – schon ist er wirklich makellos. Die aerodynamische Form (vom 250 GTO abgeleitet), der stärkere Motor (als /4 in der wirklich fettesten Ausbaustufe) und dazu noch als 66er Modelljahr mit den verchromten außenliegenden Heckklappenscharnieren – ja, #10051 ist wirklich ein ganz feines Gerät.

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Radical meint: So ein Longnose 275 ist wirklich fein, besonders in blau und als /4. Aber irgendwie reizen die 250er noch ein wenig mehr und wenn schon Ludenschleuder, dann gleich einen Daytona. Dennoch: der Preis ist heiß, sie werden immer teurer.

Estimate: 3.500.000-4.000.000$

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Koenigsegg CCXR. Zugegeben, es ist schwierig bei den ganzen Koenigsegg-Varianten den klaren Durchblick zu behalten. So in etwa: der CCXR ist nach CC, CC8S, CCR, CCX und CCGT die letzte Ausbaustufe (lässt man die Edition-Einzelstücke außen vor) bevor die Schweden zum Bau des Agera übergingen – der eigentlich auch nur ein etwas geschminkter CC ist. Dieser CCXR (einer von bloß fünf in den USA!) macht die Sache noch ein bisschen komplizierter, verfügt er doch über das neue Instrumentarium des Nachfolgers, sowie das Agera-Fahrwerkssetup.

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Radical meint: das ehemals schnellste Auto der Welt ist für Fans von Fräs- und Carbonteilen eine Augenweide. Und für jene, die ihren Freunden gerne ganz genau die Details verschiedener Automobiljahrgänge erklären. Unser Ding wäre er jetzt nicht unbedingt. Zumal nicht zu diesem Preis.

Estimate: 900.000-1.300.000$

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Ferrari Dino 246 GTS. Der erste Mittelmotor-Ferrari und dann noch mit einem V6. Deshalb nannten sie ihn auch Dino und nicht Ferrari. Was dem Auto allerdings keinerlei Abbruch tut, denn die GT wie auch die offenen GTS sind ganz feine Geräte. Der angebotene ist aus der letzten Serie und ab Werk mit schwarz/roten Daytona-Sitzen ausgeliefert worden. Viel mehr braucht es nicht zur automobilen Glückseligkeit.

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Radical meint: sie kommen langsam. Vor allem wenn man bedenkt, welch irrwitzigen Preise derzeit für normales 911-Material bezahlt wird, wirken die Preise für die Dinos geradezu moderat. Auch wenn sie nicht ganz so kostengünstig zu unterhalten sind, machen sie beim Fahren noch mehr Freude als die Konkurrenz aus Zuffenhausen.

Estimate: 350.000-400.000$

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Ferrari 288 GTO. Was tun, wenn man alle Rundstreckenrennserien bereits gewonnen hat? Klar, man wechelt auf Schotter. Zumal zu einer Zeit, als sich die Rallye größter Beliebtheit erfreute und Audi, Peugeot und Lancia mit den ganz großen Säbeln rasselten. Ferrari wollte dort mittun, die Gruppe B richtig aufmischen und doch wurde es nichts. Das tragische Ende der Serie ist bekannt, noch bevor der 288 GTO ein einziges Rennen bestreiten konnte. Was die Italiener nicht daran hinderte ihren Breitbau-308 mit dem mächtigen Biturbo-V8 (erstmalige Zwangsbeatmung in Maranello!) unters zahlungswillige Volk zu streuen. 272 gab es, viele davon sind ausgebrannt (man hatte es damals nicht so mit der Dichtigkeit der Kraftstoff- und Ölleitungen) aber brav wieder aufgebaut worden. Heute sind die 288 GTO mehr als gesucht, die Preise steigen in einer Dramatik, dass man gar nicht anders kann, als an die wahnsinnigen Zeiten in den Achtzigern zurückzudenken.

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Radical meint: ein grobes Pfund, der 288 GTO. Der Preis ist so verkehrt auch nicht, denn mag die Steigerung der letzten Jahre auch noch so hoch gewesen sein, vielleicht waren die 288er einfach nach dem Crash der Achtziger zu lange unterbewertet. Denn: seltener als F40, F50, Enzo und La Ferrari, dazu der erste Turbo, mächtige Optik und dazu „GTO“ am Heck. Mehr sollte es doch wirklich nicht brauchen um einen Ferrari richtig wertvoll zu machen, oder?

Estimate: 2.400.000-2.800.000$

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Ferrari 250 GT SWB Berlinetta Competizione. Das Beste kommt zum Schluss. Ein SWB, wie kein zweiter. Ein echter Competizione, Aluminium-Karosserie, Überollkäfig ab Werk, Entfall der Kotflügelentlüftungen, keine Kennzeichenaussparung am Heckdeckel, keine Seitenblinker in den Kotflügeln vorne – und dann auch noch: gelb. Ein absoluter Traum. Vollendet durch die vier zarten Rohre der Auspuffanlage. Eine Zurückhaltung, einmalig für einen SWB. Trotzdem sind alle go-faster-Teile montiert, die man sich wünschen könnte. Das Ganze übrigens für eine Dreiviertelmillion Dollar frisch restauriert.

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Radical meint: diese oder keine. Eine Berlinetta kann nicht schöner werden als diese. Sollen die anderen sammeln, was sie wollen. Preis? Hoffentlich deutlich über zehn Millionen. Weil sie es wert ist.

Estimate: auf Anfrage

Und nun, zum Abschluss, noch unsere ganz bescheidene Meinung.

Eine tolle Sammlung ist das „Pinnacle Portfolio“ ohne Frage. Allerdings auch eine ohne Substanz. Warum? Weil sie viel zu jung ist. Kaum ein Auto ist länger als vier Jahre in der Hand des Besitzers, zu viele wurden erst unlängst zugekauft. Sie ist nicht gewachsen aus Passion und Freude an den Automobilen, sondern vermutlich aus rein rechnerischem Kalkül. Die besonderen Chassisnummern, die interessantesten Historien und das Ganze dann noch unter dem Deckmantel der Superlative zu einem schönen Arrangement geschnürt.

Die Marketingabteilung von RM Sothebys hat obendrein groß mitgetan, feinste Bilder produziert, herzerwärmende Texte geschrieben und alle Medien der Welt dazu eingeladen über die rekordbrechende Auktion zu berichten. Es hat geklappt, wirklich.

Nur: was für eine Sammlung ist es, die sich in einer schmucklosen Halle die Reifen eckig steht und nur auf die nächste Verbringung zur Jahreswartung wartet? Wenn schon so ein Arrangement an den Besten, Tollsten, Schönsten, warum dann nicht in einem entsprechenden Rahmen? Wenn man sie schon nicht fährt, dann doch bitte wenigstens anschauen und nicht zusammengepfercht in einer Lagerhalle in Florida abstellen.

Wie gesagt, Kalkül. Genau das scheint hier der Fall gewesen zu sein. Zu offensichtlich ist die Ansammlung von Autos, die von RM Sothebys höchstselbst in jüngster Vergangenheit bereits versteigert wurden, zu offensichtlich das Zurückhalten jener Autos von allen namhaften Veranstaltungen in den letzten Jahren.

Es scheint tatsächlich, als sei der einzige Sinn dahinter die Wertsteigerung gewesen. Wir gehen noch einen Schritt weiter: bei allen echten blue chips des Portfolios schlug gerade bei RM der Hammer bei exorbitanten Preise zu – teilweise unterscheiden sich die Ergebnisse von denen der Konkurrenzhäuser um mehrere Millionen bei gleichen Fahrzeugtypen. Noch spannender: bei den wirklich interessanten Lots, dem F1 quasi-LM und dem 250LM gibt es nicht mal ein Estimate – weil die Preise, die man gerne erzielen würde in der Vergangenheit eben gerade nicht erzielt wurden, man das aber natürlich nie zugeben würde und stattdessen mit neuen Rekordmeldungen und „upon request“ Ansagen die Phantasie zusätzlich anstacheln möchte?

Überhaupt, anstacheln ist ein gutes Thema. Wenn nun eine Sammlung, die als Zweck bloß die Rendite hatte und deren Besitzer dem versteigernden und werbetrommelrührenden Auktionshaus scheinbar sehr nahe steht, verkauft wird, was sagt uns das über die Marksituation? Ist er am Zenit? Oder handelt es sich bloß um eine Gewinnmitnahme, um das gleiche Spiel mit anderen Teilnehmern von vorne zu beginnen?

Egal. Es sind dies alles Spekulationen. Fakt ist nur, dass diejenigen, die diese Autos besitzen – und artgerecht nutzen – die Frage nach den aktuellen Werten mit einem Tippen an die Stirn beantworten. Sie tun nicht mit im Ringen um neue Rekorde. Allerdings verkaufen sie auch nicht. Deshalb: das, was derzeit am Markt ist ist Material, das nicht von Herzen kommt. Sondern aus irgendwelchen Lagerhallen. Zusammengesammelt und ungeliebt. Auf Profit getrimmt.

Das ist schade, beinahe widerwärtig. Denn: es geht der automobilen Welt ihr wichtigster Teil verloren, wenn ihre besten Stücke nicht mehr das machen dürfen, wofür sie gebaut wurden.

Zur Belohnung für alle, die es bis hierher geschafft haben: noch einmal die Berlinetta in all‘ ihrer Pracht:

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Text: fm

Bilder: RM Sotheby’s

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