Hoffnungsträger – der neue Alfa Romeo Giulietta

Nächstes Jahr, am 24. Juni 2010, feiert die Alfa Romeo Automobiles S.p.A ihren 100. Geburtstag. Diesem Umstand würden wir nicht soviel Aufmerksamkeit widmen, wenn es bei Alfa nicht um Alles gehen würde.

Die aktuelle Modellpalette ist alt und kann der Konkurrenz nicht mehr auf Augenhöhe entgegentreten. Probleme wie allgemeiner Kaufzurückhaltung, Überproduktion und wenig effiziente Fertigung machen die Lage für den Turiner Hersteller nicht einfacher.

Dabei liest sich die Liste der Innovationen, die Alfa der Automobilwelt beschert hat sehr eindrucksvoll: bereits 1913 baute man einen Vierventilmotor mit zwei oben liegenden Nockenwellen und Doppelzündung, in den 30ern schaffte man mit dem 8C nicht nur den schnellsten Seriensportwagen zu bauen, sondern kombinierte Kompressoraufladung mit einem Aluminiumzylinderkopf.

Ende der 50er gab es dann Scheibenbremsen rundum, Einzelradaufhängung und 5-Gang-Getriebe in Serie, was den legendären Ruf von Alfa Romeo als Sportwagenhersteller festigte. Doch auch nach der Zeit der Alu-Leichtbaucoupés GTA sorgte Alfa immer wieder für Aufsehen.

1983 brachte Alfa einen durch einen Phasensteller variabel anpassbaren Ventiltrieb in Serie und 1997 war es der Alfa 156 JTD, der erstmal mit Common-Rail-Direkteinspritzung erhältlich war.

An der Technik kann es also nicht liegen, vielmehr am Package. Ein toller Dieselmotor hilft nichts, wenn das Getriebe zerbröselt und die Elektrik ständig spinnt. Bei (nach)lässiger Rostvorsorge Mitte der 80er und haarsträubender Verarbeitung braucht man sich über das Fernbleiben der Kunden ebenfalls nicht wundern.

Der Mythos jedoch lebt gerade bei den Alfisti unbeschadet weiter. Sie fahren ihre Rundheck-Spider, die Bertone-GT’s und heißgemachte Giulia’s und sehen über manche Unzulänglichkeit hinweg. Für jene Kunden scheint auch die aktuelle Modellpalette gemacht zu sein. Die 159er-Reihe ist hinreißend schön, auch der verflossene GT und die neuen Spider und Brera sind im Vergleich zur Konkurrenz echte Eyecatcher.

Das Problem an der Sache ist, dass es nicht so viele Alfisti gibt, wie es Otto-Normal-Autokäufer gibt. Ein Auto, das sich Nachteile durch sein Styling einhandelt – sei es Kofferraumvolumen oder Bewegungsfreiheit im Innenraum – wird ebenso wenig akzeptiert wie kapriziöse Technik. Und genau hier liegt aktuell das Problem von Alfa.

Die Anhänger der Marke sehen darüber hinweg, fahren ihre „bella machina“ trotzdem (oder gerade deshalb?). Gute Verkaufszahlen generiert man aber definitiv anders.

Wie, das zeigt uns Fiat- und damit auch Alfa-Chef Sergio Marchionne im Moment: als Brandshaper hat er mit dem 8C eine sagenhafte Skulptur auf die Räder gestellt. Technisch eng verwand mit seinen Konzernbrüdern von Ferrari und Maserati bildet er die Essenz von Alfa Romeo ab. Schön, schnell und rot. Ein Auto, das nicht nur die Alfisti träumen lässt und (viel wichtiger) Alfa wieder ins Bewusstsein der Käufer rückt.


Um diesen Umstand zu nutzen platzierte der quirlige Chef auch den neuen Kleinwagen MiTo genau richtig. Lifestylig, modern und unverwechselbar. Die Hardliner finden ihn zu fett, zu unsportlich und zu sehr dem Mainstream verpflichtet, aber genau darum ging es.

Die technische Basis bildet der Grande Punto von Fiat, das macht die Konstruktion günstig und ausgereift und darüber richtet man eine den 8C-zitierende Karosserie, die dem modernen Stadtmensch den Kopf verdreht. Sportliche Gimmicks wie carbonlike-genarbte Kunststoffe, umschaltbare Charakteristiken von Motor und Lenkung und ein knackiges Fahrwerk mit großen Felgen greifen den Bezug zum Motorsport-Mythos gekonnt auf.


Das sich mit der neuen Multiair-Technologie auch noch eine der unserer Meinung nach bedeutendsten Erfindungen des modernen Motorenbaus unter der Haube befindet unterstreicht außerdem die nicht auf der Strecke gebliebene Innovationskraft der Italiener.


Man muss sich nun also damit abfinden, dass Alfa Romeo nicht mehr nur die schönen Randerscheinungen der automobilen Welt auf die Räder stellt, sondern mit konkurrenzfähigen Produkten auf den Markt kommt, die ihre Alfa-Gene im Verborgenen tragen.

Die neue Giulietta ist demnach das beste Beispiel für die neue Generation Alfa Romeo: von außen entfacht sie keine Begeisterungsstürme, wenngleich das Styling nicht unbedingt schlecht ist. Das Scudetto trägt der Neue immer noch stolz im Wind, die Scheinwerfer passen sich dem MiTo-Familiengesicht an und dürfen sogar noch etwas LED-Lidschatten tragen.

Klassisch Alfa? Eher nicht. Gut so. Hässlich ist er zumindest nicht.

Die Seitenlinie zeigt einen großen Radstand, große Türausschnitte und klare Linien. Hier wurde also auf Komfort mehr Wert, als auf Concours gelegt. Beim Heck zeigt der Neue dann seine Schokoladenseite. Sportlich knackig zeigt die Giuliette den Designer bei Opel wie der Astra hätte aussehen können. Der angedeutete Diffusor und das selbstbewusste Auspuffdoppelrohr zeigen, dass es Alfa doch nicht lassen kann mit dem Styling.

So muss ein Alfa der Neuzeit aussehen. Knackig und trotzdem alltagstauglich.

Wirklich spannend wird es aber – wie gesagt – erst unter dem Blech. Zum einen wäre die Plattform: Die Giulietta ist das erste Modell des neuen technischen Rückgrates, das Fiat-Chef Marchionne nicht nur im Konzern (Fiat Bravo, Lancia Delta) teilen möchte, sondern das auch mit Chrysler-Karossen in die USA verkauft werden soll. Sogar die Fahrzeugklasse kann modular erweitert werden und so soll die technische Basis nicht nur das C-Segment (Giulietta, Golf), sondern auch das D-Segment abdecken und damit die Nachfolge des 159ers antreten und gegen VW Passat und Co bestehen.


Der Innenraum ist ebenfalls gelungen. Feines Leder, feine Verarbeitung und aufgeräumtes Arrangement.

Bei den Antrieben vertrauen die Italiener fest auf ihr im MiTo präsentiertes Downsizing Konzept und so gibt es zwei 1.4-Liter-Motoren. 120PS gibt es im Basis-Sauger und 170 PS in MultiAir-Ausführung mit Turboaufladung. Bei den Selbstzündern kommt nicht nur die aktuellste Generation der Common-Rail-Einspritzung zum Einsatz, sondern ebenfalls reduzierter Hubraum. Den Start bilden das 1.6-Liter-Aggregat mit 105PS, sowie ein 2.0-Liter JTD mit 170PS.

Als sportliche Krönung kommt Ende 2010 der 1750TBi Quadrifoglio Verde, dessen knapp 1750 Kubikzentimeter dank mächtigem Ladedruck und der Multiair-Technik sagenhafte 235PS auf die Vorderachse entlassen. In Zaum gehalten wird das Ganze von der Fahrdynamikregelung DNA, dem Q2-Sperrdifferenzial und dem Stabilitätsprogramm VDC.
Anhänger schlupffreier und vor allem antriebseinflussfreier Beschleunigung wird die Nachricht sehr freuen, dass die neue Plattform sogar Allradantrieb zulässt.

Die Preise, sowie weitere Details zum Giulietta wird Alfa aber erst bei der Präsentation auf dem Genfer Salon im Frühjahr 2010 bekannt geben. Wir bleiben gespannt, denn wir freuen uns auf die neuen Alfa-Modelle.

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