Altes Blech statt – neuem Porsche Boxster

Eigentlich sollte an dieser Stelle die viel zu späte Vorstellung des neuen Porsche Boxsters stehen. Doch die Jungs vom radical-mag haben uns mit Ihren Zeilen zum BMW 507 auf den Geschmack gebracht.


Nach dem Stöbern durch die Lots der RM Auctions-Website stellte sich dich Frage, warum wir nicht auch mal schöne Autos vorstellen sollten? Sicher, hässlich ist der neue Boxster natürlich nicht, aber entgegen dem, was wir nun in Wort und vor allem in Bild vorstellen fällt er dann doch stark ab.

Vorab möchten wir auch die Frage des Geldes ausblenden. Das scheint eh nicht mehr nach den althergebrachten Methoden anlegbar zu sein: Der europäischen Finanzstabilisierungsfazilität wird das Top-Rating entzogen, dem Bundespräsidenten darf man auch kein Kleingeld mehr leihen, ohne dass der investigative Journalismus Verrat und Vetternwirtschaft wittert. Was also tun? Flügeltürer kaufen!


Und zwar nicht die schnöden Stahlblechmodelle, die man schon für knapp eine Million US-Dollar bekommt, nein, wer sich längerfristig nicht mehr mit Renditefragen beschäftigen möchte, der sollte zu einem der seltenen Aluminiummodelle greifen.


Bedenkt man die Seltenheit des Modells kann der Preis beinahe als Schnäppchen durchgehen. Von den knapp 1400 gebauten 300SL der Baureihe W198 sind gerade einmal 28 Exemplare aus dem nichtmagnetischen Leichtmetall gedengelt worden. Dazu gibt es noch matching numbers von Motor, Chassis und Karosse, Rudge-Felgen, den passenden Koffer und einen unbenutzten Kupferhammer.


240PS leistet der direkteinspritzende Reihensechser in diesem Exemplar, das nicht nur auf Grund seiner perfekten Substanz, sondern vor allem durch die (leider nicht ganz originalen) Stoffsitze im Stile des SLR glänzt. Der Preis? Das Estimate liegt bei drei Millionen US-Dollar. Damit wäre 198.043.5500208 einer der teuerste Flügeltürer aller Zeiten.


Wem das ein wenig viel ist, weil er gerade eine Costa-Kreuzfahrt ohne Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat, dem sei der dunkelblaue Stahl-SL ans Herz gelegt. Man braucht nicht viel zu ihm zu sagen, die Farbkombination reicht vollkommen aus.


Der Farbcode erinnert mit 904 zwar eher an einen Plastik-Porsche, doch zusammen mit dem hellgrauen Interieur steht der 300 SL herrlich geschmackvoll in der Einfahrt. Das er erst aus vierter Hand kommt und originale 78.000 Meilen auf dem Tacho zeigt ist ein weiteres Indiz, dass hier nicht viel falsch zu machen ist.


Nicht einmal Ersatzglühbirnen muss man kaufen, denn die sorgsamen Vorbesitzer haben das originale Austauschkästchen seit 1957 pfleglich aufbewahrt. Der Preis? Eine knappe Million US-Dollar muss man mitbringen für den blauen Schwaben.


Besser Grün? Damit meinen wir allerdings nicht den Schwaben, sondern den Maserati Ghibli 4.9 SS Spyder. Ja, sie haben richtig gelesen. Maserati Ghibli 4.9 SS Spyder. Die heftigste Eskalationsstufe des Sportwagens aus Modena trägt nicht nur einen hinreißenden Namen, sieht sieht ebenso aus. Zumal in grellem Grünmetallic.


Vollausstattung versteht sich von selbst und über das neoklassische Becker Mexico Navigationsgerät sehen wir einmal wohlwollend hinweg. Dafür kommt die Ghibli mit feinen Borrani-Speichenfelgen, einem Kofferraum voll passgenau genähtem Koffergut und einem originalen Hardtop.


Letzteres wird hoffentlich direkt in der Garage zurückbleiben, denn geschlossen will man dem 4.9 Liter großen V8, dessen Ventile sich dem Takt der vier Nockenwellen beugen und der seine Luft durch vier 42er-Doppel-Weber zieht auch gar nicht lauschen. Die 335 resultierenden Pferdestärken sollte man aber nicht ohne Bedacht einsetzen, denn zwar verfügt die Ghibli schon über eine Doppelquerlenker-Vorderachse und vier Scheibenbremsen, jedoch ist dieses Exemplar eines von nur elf gebauten SS-Versionen nach der scharfen Europa-Spezifikation. In Worten: elf! Bei Volkswagen laufen in jeder Minute mehr Golf TDI vom Band. Dass das alles seinen Preis hat dürfte klar sein, 900.000 US-Dollar um genau zu sein.


Das Beste kommt aber bekanntlich zum Schluss. Der Ferrari 250 GT Lusso aus dem Jahr 1963. Nicht nur, dass er (abseits vom Unerreichbaren GTO) der schönste 250er ist, nein, er ist auch noch ein Sonderangebot. Sicher, für manche mag es vermessen klingen bei einem Einstiegspreis von 750.000 Dollar von „günstig“ zu sprechen, aber lassen Sie uns doch erst einmal argumentieren.


Da wäre zum Einen die Farbkombination. Ein Lusso ist immer distinguierter als ein SWB, denn diese tragen meist böse Rennfarben, rot, gelb und so weiter. Ein Lusso hingegen darf auch dunkelblau oder gar grün sein. Oder grau. Wie unser Auktionsexemplar.


Zum Zweiten wäre der Radstand. 2400mm. Kenner wissen sofort: „passo corto“ – short wheel base. Versuchen Sie doch heute einmal einen 250 SWB (und das ist es egal ob verlötet oder als California Spyder) für einen sechsstelligen Betrag zu ergattern. Mehr Argument braucht es eigentlich nicht.


Zum Dritten wäre der Motor. Der 250 trägt noch den legendären Colombo-Motor unter der Haube. V12, 2953 Kubikzentimeter, befüllt durch drei Weber 36 DCS-Vergaser. Nenndrehzahl 7500 Umdrehungen. Zu dieser Zeit wussten die Kommunikationsabteilungen noch nicht einmal wie man das Wort Hochdrehzahlkonzept buchstabiert.


Wir haben unser Herz schon vor langer Zeit an den Lusso verloren und wem es noch so geht, dem sei die Auktion von Gooding and Company in Scottsdale am 20. und 21. Januar ans Herz gelegt. Lot Nummer 49 gehört dem grauen Ferrari. Viel Glück.

Bilder: Gooding and Company
Text: fm

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