Wasser brennt nicht – der neue Porsche 911 GT2 RS

Ein Machtwort. Sagt Porsche. Nun, die Zahlen sind wirklich beeindruckend: 700 (PS), 750 (Nm), 2.8 (0-100), 8.3 (0-200), 22.4 (0-300), 340 (km/h), 1470 (kg ohne Weissach), 1440 (kg mit Weissach).

Es ist, wie es sich für einen GT2 gehört, die heftigste Eskalation des 911, klar. Doch es zeigt auch, wie haarscharf sie an der Grenze feilen. So wog der alte GT2 RS ebenfalls 1440kg – und hatte weder Magnesiumfelgen (vom 918 Spyder, nur mit Weissach-Pack) einen Überrollbügel aus Titan (Weissach-Paket), noch ein Dach aus Kohlefaser (beim 08/15-GT2 RS wird ansonsten das Magnesium-Häubchen vom GT3 RS weiterverwendet) und schon gar nicht beide Stabilisatoren inklusive der Anbindungsknochen aus dem schwarzen Plastik.

Gut, er hatte ein manuelles Getriebe an Stelle des für den 991.2 GT2 RS einzig wählbaren PDK-Automaten. Wir sind aber froh, denn im Vorgänger war der Terror der 620PS schon kaum auszuhalten, mit zusätzlichen 80 Pferden hat man die Hände vollst zu tun. Da will niemand auch noch Gedanken ans Getriebesortieren verschwenden.

Spannend überhaupt der Motor: erstmals gibt es einen GT2, der nicht auf dem guten alten Mezger-Triebwerk basiert. Seine Konstruktion hat alles ausgehalten. Die 130PS der ersten Elfer, die 250PS des ersten Turbos, aber auch die 845PS des 935/78 – alles war seine Konstruktion und eben auch die 620PS des 997 GT2 RS vertrauten noch auf seine Geometrie, auf seine Auslegung. Nun ist alles neu, sie haben lange geübt, sieben Jahre Erfahrung gesammelt mit der neuen DFI-Generation (dieser bereits mehrfach überarbeitet!). Was bleibt: 3.8 Liter Doppelturbo. Die sind natürlich mit verstellbaren Schaufeln ausgerüstet, wasser- wie ölgekühlt und ein wenig größer geraten, als in turbo, turbo S und turbo S Exklusive. Den Ladedruck schätzen wir auf irgendwo in der Richtung von 1.6-1.8 bar Überdruck, warten hier aber noch auf die exakten Daten. Das derlei Gewalt nicht einfach zu halten ist, zeigt die Ansaugseite: im Vorfeld wurde hinter vorgehaltener Hand viel von Wassereinspritzung gemunkelt.

Wir waren erschüttert. Sie würden doch nicht?

Es darf Entwarnung gegeben werden. Sie haben nicht. Denn: Wasser brennt nicht. Auch wenn mancher Hersteller das anders sieht und die Gemeinde der Friseure und Motorenpfuscher gerne Wasser zum Sprit in den Brennraum kippt, hat man sich bei Porsche derlei Unkontrollierbares gespart. Stattdessen berieseln sie die Ladeluftkühler bei hohen Außentemperaturen und hoher Last. Ein gängiges Prinzip die Verdampfungswärme des Wassers zur Kühlung zu Nutzen.

Außerdem ist es ein netter Überraschungseffekt auf dem Track, wenn der hinterherfahrende Gegner einen Motorschaden wittert und der GT2 RS stattdessen nur noch härter vollstreckt, wenn ihm die weißen Dampfschwaden aus dem Hemdkragen pumpen.

Doch auch hier: es ist grenzwertig. Dass sie zu so einer Lösung greifen zeigt, wie haarscharf es an der Machbarkeit kratzt. NACA-Lufteinlässe auf der Haube um die Bremse zu kühlen, unfassbare Öffnungen allerorten, sogar ausgestellte Entlüftungen auf den Kotflügeln, um irgendwie Abtrieb für 700PS zu generieren. Uniball-Lagerung aller (!) Fahrwerkslenker, Semislicks sowieso, es bleibt kein Raum für Unschärfe. Alles ist so fokussiert, wie es nur irgend geht.

Es ist geil, natürlich. Es ist wild. Es ist pur. Es ist so klar 911, wie ein 911 nur klar sein kann.

Aber: es ist auch soviel 911, wie 911 911 sein kann. Mehr geht nicht. Zumindest nicht fahrdynamisch in diesem Package. Der Gipfel ist erreicht. Mit Heckantrieb, dem Motor hinter der Achse und der kleinen Grundfläche ist die Entwicklung hier und jetzt am Ende.

Das zeigt auch der Preis: ein Weissach-GT2 kostet 314.970 EUR (285.220 EUR Grundpreis plus 29,750 EUR für die Variante mit Titan-Käfig). Zum Vergleich: ein Ferrari 812 Superfast kostet 282.934,40 EUR und ein McLaren 720S gar nur 247.350 EUR.

Der Porsche ist angesichts der technisches Materialschlacht – die er kämpfen muss, um irgendeine Chance zu wahren – in eine Preissphäre entrückt, die ihn über seiner Gewichtsklasse kämpfen lässt.

Denken wir an Le Mans: sie haben keinen Stich gemacht gegen die Corvetten, Ford GTs und selbst die 488er Ferraris sind biblisch schnell, im Vergleich zu den RSRs – und wir reden hier schon von den neuen, fetten Mittelmotor-911ern, denen sie mit dem feinen Reglement-Kunstgriff den Motor ins Auto umdrehen durften, um Balance-technisch wieder annähernd in die Nähe der Konkurrenz zu kommen.

Wir sind selbst die glühendsten Verehrer des 911. Kaum ein Auto bedeutet soviel Emotion, wie der Elfer. Doch an der absoluten Spitze der Dynamik geigen heute andere. Die Technologie hat Schritte gemacht, die das Konzept von 1964 einfach nicht mehr hergibt.

Wasser brennt nicht. Und ein 911 wird nie der schnellste Sportwagen sein.

Deshalb: haut die GT2 RS unter die Wahnsinnigen (ausverkauft ist er eh schon, obwohl nicht limitiert. Man sagt: 1000 Einheiten bis Mitte 2018, dann ist Ende) und schenkt dem 911 dann einen großen Bruder. Irgendwas unterhalb des 918. Vielleicht einen 904? Einen 906, gerne auch einen 908 oder einen 910.

Ihr wisst wie es geht.

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