Wofür steht S? – der neue Audi SQ5 TDI

Es war der Preis an dem wir hängenblieben. Nicht Felgen oder die Lackierung. Nein, es war dieser Preis. 92.000 EUR für ein kleines SUV. So teuer hatten wir den Audi SQ5 TDI gar nicht in Erinnerung.

Doch das, was uns in der vergangenen Woche in Paris so überraschte war gar kein normaler SQ5, sondern das „Audi exclusive concept“ jener Baureihe. Verständlich dass die Ingolstädter bei so einem Modell ihr ganzes Können zeigen: eine besondere Außenfarbe, eine besondere Lederfarbe, Kontrastziernähte an Lenkrad und Instrumentenabdeckung, ein paar spezielle Felgen und offenporiges Edelholz. Ach ja, und eben jener Aufpreis von 33.500 EUR gegenüber der unexklusiven Variante. Diese Summe ist wahrscheinlich auch für die strenge Limitierung auf nur 50 weltweite Exemplare verantwortlich. Denn die Audi-Marktforschung scheint ihre Hausaufgaben gründlich gemacht zu haben…

Dabei ist der normale SQ5 kein schlechtes Auto, eher sogar das Gegenteil. Erstmals hat Audi in einem der sportlichen S-Modelle einen Ölmotor eingebaut. Ein selbstzündendes Arbeitstier, kein feinnerviges, kerzengezündetes Renntriebwerk. Damit die Kundschaft, vor allem aber das Umfeld das nicht direkt mitbekommt hat man der Vierrohrauspuffanlage zwei Lautsprecher spendiert. Diese produzieren dem drögen Dieselnageln entgegengerichtete Schallwellen und löschen das ungewünschte Geräusch damit aus. Zurück bleibt ein dumpf grummelnder Klang, der an einen V8-Benziner erinnern soll.

Nun ja, eigentlich hat der Dreiliter-V6 TDI derlei synthetische Unterstützung gar nicht nötig. Denn dank der Nachhilfe seiner zwei Turbolader marschiert der SQ5 schnell genug von der Linie, als das irgendwelche Zweifel an seiner Sportlichkeit aufkommen würden. 5.1 Sekunden gibt das Werk für den Sprint auf 100km/h an und angesichts der Macht der 650Nm glauben wir da gerne dran. Zumal, wenn die optionalen 21-Zoll-Felgen montiert sind. In Kombination dem permanenten quattro-Antrieb sorgen die breiten Reifen in jeder Situation für ausreichend Grip um die 313PS auf die Straße zu übertragen. Leider auch dafür, dass der Fahrbahnzustand nahezu ungefiltert in den Innenraum weitergereicht wird, besonders wenn das drive select-System in der Stufe dynamic steht.

Trotz dieser Unnachgiebigkeit des Fahrwerks, der feinen Dynamiklenkung und den sportlichen Logos allerorts wird aus dem SQ5 dennoch kein echter Sportler. Um einem Zweitonner das Tanzen beizubringen braucht es dann doch ein wenig mehr als zwei Membranblechdosen im Auspuffrohr. Wer sich also beim Ankreuzen in der Aufpreisliste zurückhält, die kleinen Felgen und die komfortable Fahrwerksabstimmung wählt, der erhält ein wirklich famoses Auto; kein sportliches, aber ein sehr gutes. Die Innenarchitektur der Ingolstädter lässt wie immer keinerlei Zweifel zu – vor allem wenn man das schwarze Alu-Schichtholz und den Alcantara-Dachhimmel bestellt! – und auch sonst umgibt den kleinen Audi-SUV ein erhabenes Gefühl der Souveränität.

Die Achtgang-Automatik wählt im comfort-Modus schnell die hohe Übersetzung, der TDI spannt gelassen den Drehmoment-Muskel und man lehnt sich gelassen in den bequemen Sitzen zurück und lauscht den Klängen aus der B&O-Anlage. Der Verbrauch pendelt sich irgendwo um 7.5 Liter ein und die Frage, warum man denn das S in der Typenbezeichnung wirklich braucht wird immer lauter.

Wahrscheinlich aus dem Grund, warum man ein SUV „braucht“. Und vier Auspuffrohe. Und einen Sound-Synthesizer. Und B&O-Logos auf den Lautsprechern. Und 21-Zoll-Felgen. Schade eigentlich. Denn hinter seiner Maskerade ist der (S)Q5 mit seinem großen Biturbo-TDI ein wirklich gelungenes Auto. Und mit 58.500 EUR gar nicht mal so teuer. Verglichen mit seinem „exclusiven“ Bruder…

Technische Daten:

Modell: Audi SQ5 TDI quattro
Motor: 6 Zylinder Diesel, 2967cm³
Leistung: 230kW/313PS
Drehmoment:650Nm
Antrieb: Allrad, Achtgang-Automatikgetriebe
Verbrauch: 6.8l/100km Diesel
0-100km/h:5.1sec
Vmax: 250km/h
Preis: ab 58.500 EUR

Text: Fabian Mechtel
Bilder: Fabian Mechtel

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