Turbo, Baby! – Kommentar zum neuen 911 Carrera

Fsssssshh. Tschutschuuutschu.

Das fauchende Peitschen der großen Turbine. Einst das absolute Alleinstellungsmerkmal, ja die Insignie der Macht: der Turbolader. Das wertlose Abgas domestiziert und zum Zweck noch dramatischerer Leistungen benutzt.

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Kein Hersteller hat das in der Vergangenheit besser gekonnt als Porsche. Obschon sie die Technik auch nicht erfunden haben mögen, Zuffenhausen erst hat die Turbine salonfähig gemacht. Und ihr den einzig wahren Namen gegeben: turbo. Ein kleines t für das ganz große Herz.

911 turbo. Es liest sich heute, wie am ersten Tag. Mit Ehrfurcht. Weil der turbo schon immer für das quasi Unerreichbare stand, für das Unzähmbare und das Unfassbare. Irrwitze Preise, aberwitziges Handling und ein Leistungsfähigkeit, die der Konkurrenz das Fürchten lehrte.

Und nun sitzen wir da, lesen die ins Postfach geflatterte Nachricht und können es nicht so recht fassen: Turbocarrera. Nicht etwa so wie früher, als sie sich noch nicht sicher waren ob der Strahlkraft der Turbine. Ihren Reiz noch nicht so recht einschätzen konnten und ihn noch unter der Zuhilfenahme der Carrera-Legende zu vermarkten versuchten, nein. Turbo im Carrera. Zwei sogar um genau zu sein.

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Der lange Arm des EU-Gesetzes, er hat ihn erwischt. Den Boxermotor. Er ist nicht mehr der Freigeist, der er die letzten fünfzig Jahre sein durfte. Nicht mehr das Tier, das erst zum Leben erwacht, wenn du es richtig gekitzelt hast. Das Viech, dass sich mit dir gefreut hat, wenn du es ihm so richtig besorgt hast. Nun wird er klein gehalten, bekommt den Korken in den Auspuff und muss sich brav in Reihe der Effizienzaggregate stellen, die sich doch alle mehr oder weniger auf lähmende Weise gleichen.

Drehmoment in großen Wogen ab dem Schlüsseldreh, dröges Geräusch ohne Lebendigkeit und eine Lustlosigkeit ab einem Drehzahlbereich, in dem man früher erst so richtig zu jubilieren begann.

Carrera was passiert mit dir?

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Das absolut Richtige. Fortschritt. Nicht aufhaltbare Entwicklung. Und wir können uns sicher sein, die größten und emotional abhängigsten Fans des Neunelf sitzen in den Entwicklungsabteilungen in Zuffenhausen. Sie würden uns niemals einen Elfer schenken, der nicht würdig wäre.

Keinen Stein haben sie auf dem anderen gelassen, für eine harmlose Modellpflege alle Register gezogen. Ein Triebwerk auf die Beine gestellt, dass in der Tiefgründigkeit aller Änderungen kaum zu besprechen ist. Dabei machen sie am Motor nicht Halt. Das Getriebe wird radikalisiert, das Fahrwerk bekommt feinste Neuentwicklungen und gegen Aufpreis sogar GT3-Teile montiert. Die Bremse wird mächtiger, die Felgen breiter.

Deshalb: Entwarnung. Der Carrera wird ein Wahnsinn werden. Nicht, weil er das noch nie gewesen wäre, nein. Aber er ist jetzt ein Turbo. Und ein Porsche 911 turbo war schon immer etwas ganz Besonderes.

Und was der Schritt vom Carrera zum Turbo für den turbo bedeutet, das mögen wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen. Weil: es wird grob. Irrwitzig, aberwitzig, unerreichbar, unzähmbar und unfassbar. Wir freuen uns drauf. Und auf den Carrera. IAA, wir kommen!

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