Auf Speed – der Ford Focus RS

das überrascht: die TÜV-Plakette
das ist gut: Sound, Antritt, Traktion,…
das weniger: die Limitierung auf 1030 Stück

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Ich kann nicht anders. Immer wieder zwingt mein Fuß das Gaspedal aufs Blech. Es dröhnt hinten, rumort vorne und drück mich in den Sitz. Das reicht. Kurz den Fuß gelupft und schon pfeift die überschüssige Luft aus dem Überdruckventil des Turboladers. Es ist herrlich, wie die Ford-Akustik-Ingenieure das Zusammenspiel der einzelnen „Lärmquellen“ beim neuen Focus RS komponiert haben. Hat es schon im Focus ST höllisch Spaß gemacht, dem Atmen des Wagens zuzuhören, verfolgt einen dieses Erlebnis im 305 PS starken RS bis in den Schlaf. Na toll, jetzt bin ich angefixt und brauche mehr.

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Aber das „Mehr“ im Focus RS ist gar nicht mal so teuer. Knapp 34.000 Euro rufen die Kölner für ihre Droge auf. Dafür bekommen Fans des extrovertierten Krawall-Auftritts einen Fronttriebler, der auf den Ford-Teststrecken „die Allradkonkurrenz glatt versägt hat“ (Aussage Ford). „Wir waren selbst überrascht, was die neue Revo-Knuckles-Vorderachse in Kombination mit dem mechanischen Sperrdifferenzial leistet.“ Ob der von einem 2,5-Liter-Fünfzylinder mit Turboaufladung befeuerte Focus RS tatsächlich schneller ist als Mitsubishi Lancer Evo X (295 PS) und Subaru Impreza WRX STi mit 300 PS (Interpretation der Redaktion), kann ich zwar nicht bestätigen, das subjektive Fahrgefühl im neuen Hammer-Focus stellt den von uns bereits getesteten Evo X allerdings klar in den Schatten. Hat der Japaner viel von seinem alten Charme des raubeinigen Gesellen mit mächtig Punch eingebüßt, bedient nun Ford diese entstandene Nachfrage-Lücke.

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Und so verwundert es nicht, dass die 1030 Exemplare, die für den deutschen Markt bestimmt sind, bereits fast ausverkauft sind. „Wenn Sie heute einen bestellen, ist der frühestens im November bei Ihnen. Kein einziger RS steht in einem Showroom, die Wagen werden direkt vom Band an die Kunden ausgeliefert.“ Und das ist auch kein Wunder. Bereits bei meinem ersten kurzen Ausritt im RS habe ich eine Vorstellung vom stärksten Fronttriebler der Welt bekommen. Zwar ist auch beim Focus RS der Nachteile einer Lenkung-Antriebsteilung nicht wegzudiskutieren, doch verstecken muss sich der kräftige Kölner hinter der Allradkonkurrenz nicht. Mit einer Spritzeit von 5,9 Sekunden auf Tempo 100 liegt er zwar hinter Mitsubishi und Subaru zurück, der Topspeed von 263 lässt die Konkurrenten aber genauso alt aussehen wie der Preisvorteil von min. 10.000 Euro.

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Vom fabelhaften Auftritt des Ford mit seiner gewaltigen Luftöffnungen in der Front, den auf Wunsch weißen Alus, dem riesigen Heckflügel, dem Heckdiffusor und den beiden großen Endrohren sowie der kompletten Ausstattung mit perfekt sitzenden Recaros, Bi-Xenon, Nebelscheinwerfern und ESP/ASR wollen wir gar nicht reden.

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Sie merken schon, ich bin dem Focus RS verfallen. Sie haben Recht. Ich bestreite es nicht. Noch mit keinem Wagen habe ich mich beim Beschleunigen auf einer kurvigen Autobahn-Auffahrt mit 160 Sachen so sicher gefühlt. „Er muss doch endlich mal schieben“, denke ich. „Verdammt, warum schiebt der nicht?“ Ich bin begeistert, wie gelassen der Wagen sich mit selbstmörderischem Tempo durch Kurven ballern lässt. Als die Autobahnauffahrt endet und ich über zwei Spuren nach ganz links wechsle, zeigt der Tacho schon knappe 200 an. Zack in den fünften der sechs knackig abgestuften Gänge gewechselt und das Pedal aufs Blech gelegt. Bis etwa 245 geht’s zügig weiter, dann muss sich der RS dem Luftwiderstand ein wenig geschlagen geben. Zwar knacke ich tatsächlich die 260, um einen 265 fahrenden Cayman S zu ärgern, reicht das aber irgendwie nicht.

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Anders sieht die Sache möglicherweise auf der Landstraße aus. Hier kann sich der RS-Pilot richtig austoben und die Zuffenhausener Flundern mächtig ärgern. Mit einem knapp an der Grenze zum „knüppelhart“ zu bezeichnenden Fahrwerk, der breiteren Spur und seinen 440 Newtonmetern (2250-4500 U/min) verwöhnt er den Fahrer mit optimalem Bodenkontakt, super Querbeschleunigung und mächtig Durchzug in fast jeder Lebenslage. Selbst die erwartete Gedenksekunde des Turboladers fällt erstaunlich unauffällig aus. Bei soviel Vorwärtsdrang darf natürlich auch die Negativbeschleunigung nicht zu kurz kommen. Ford begegnet der Herausforderung mit 336er Bremsscheiben vorn und 302 Millimeter messenden Derivaten an der Hinterachse. Das langt. Mir ist es trotz fast übereifriger Kurvenhatz nicht gelungen, die Stopper aus der Ruhe zu bringen.

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Wer nun immer noch nicht über den mangelnden Allrad-Antrieb hinwegsehen kann, dem sei an dieser Stelle ein phosphor-heller Lichtblick gezeigt. Wie ich dem RS-Entwickler John Wheeler entlocken konnte, sind sich Ford Focus und Kuga unterm Blech so ähnlich, dass die komplette Hinterachse des Allrad-SUV auch im RS verbaut werden könnte. „Ford-Tuner, die sich schon länger mit der Marke beschäftigen, sollten das ohne große Probleme hinbekommen“, erklärt mir Wheeler. Selbst wenn so ein Umbau mit 10.000 Euro zu Buche schlagen sollte, bekäme man einen 305 PS starken Ford Focus RS mit Allradantrieb also zum gleichen Preis wie einen Evo X und für WRX STi. Ausstattungsbereinigt dürfte der Ford allerdings immer noch deutlich günstiger sein.

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Fazit: Kaufen! Für 34.000 Euro gibt’s definitiv keinen besseren Sportler auf dem Markt. Selbst für 44.000 Euro inkl. nachgerüstetem Allradantrieb ist der Focus RS ein Schnäppchen. Wer den kernigen WRX STis und Evos der Vergangenheit nachtrauert, der ist beim RS genau richtig.

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Technische Daten:

Modell: Ford Focus RS
Motor: 5-Zylinder Turbo-Benziner, 2522 cm³
Leistung: 224 kW / 305 PS
Drehmoment: 440 Nm
Antrieb: Front, 6-Gang manuell,
Verbrauch: 9,4l / 100Km Benzin
0-100km/h: 5,9 sec.
Vmax: 263km/h
Preis: ab 33.900 EUR

Text: Jan Kriebel

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