Fahren (können) – Opel OPC Race Camp

Gooong. Und schon stehst Du senkrecht im Bett. Weil der Computer plötzlich hell erleuchtet ist und fröhlich verlautbart, dass er gerade die Internetverbindung verloren hat und der Upload demnach fehlgeschlagen ist.

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Klasse. Weil man die Balkontür offen gelassen hat. Und es zu regnen begonnen hat. Nicht so ein bisschen, eher: richtig. Und das Wasser hat sich dann ganz langsam seinen Weg zum Router und dessen fachgerechter Elektroninstallation gebahnt – brrrz (nicht wie der Subaru, mehr so:„ganse Schtraße nix Licht“).

Doch das Wetter hat auch sein Gutes. Denn wenn am nächsten Morgen ein Rudel scharfer OPC-Opels in Dudenhofen im Testcenter bereit steht, dann kommt an einem kalten, wie gesagt heftig verregneten, Herbsttag einiges an Spaß hinzu.

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Und wir wollen jetzt nicht hören, dass das ja alles langweilig ist, solange man da mit frontgetriebenen Gurken herumrudert. Wir sind eben die Generation Playstation. Haben nicht die gute Sonntagshose im hang-off auf dem Florett ruiniert, sind nicht mit verrosteten Giulias, scharfen C-Kadetten und schnellen E30 nach Mainz-Finthen gefahren und haben auch nicht die Einfahrt zum Autokino quer genommen. Nein. Wir sind ins Fahrschulauto gestiegen, haben die korrekte Sitzhaltung gelernt, die Funktionsweise der 12 Airbags, des ESPs und die hohe Kunst des Kraftstoffsparens. Deshalb können wir es nicht: Das echte Fahren.

Können zwar bei GranTurismo auf der Nordschleife einen Rekord nach dem anderen hinlegen, wenn es aber auf der echten Rennstrecke heißt den Bremspunkt zu treffen, das Auto auf der Ideallinie in der Kurve zu positionieren um im Scheitel so richtig abziehen zu können, dann können wir nur mit den Schultern zucken. Oder mit hilflos am Lenkrad kurbeln und wahllos auf den Pedalen stehen. Weil wir nie gelernt haben, was ein Auto wirklich kann. Weil wir nie die Grenzen ausgelotet haben.

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Schon einmal mit heißen Brembos eine Vollbremsung hingelegt? Also, so richtig? Wenn Du mit ausgedrehtem Dritten auf den 90°-Rechtsknick zuhältst, dann, am 50m Schild quasi mit beiden Beinen auf die Bremse wechselst und sich die vier Kolben zischend in die schwimmend gelagerten Scheiben verbeißen? Und, oh Wunder, es passt. Trotz Herbstlaub und nasser Strecke. Einfach so. Mächtige Verzögerung. Und so langsam kommt es dann. Das Gefühl. Für die Traktion am Kurvenausgang, wenn die Sperre zu Mahlen beginnt. Für das Öffnen des Lenkwinkels, damit Du die Vorderachse in den Kurven nicht ins Untersteuern überfährst. Und eben dafür, dass der Reifen immer nur eines gleichzeitig kann: bremsen oder lenken oder beschleunigen.

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Und dann ruft der Instruktor in die Box, Du stellst den Astra OPC knisternd ab, die Bremse raucht und es riecht gut. Nach vollem Einsatz nämlich. Nach Gummi, Öl, Bremsbelag und Sprit. Dabei war das erst das Aufwärmprogramm. Denn auf der Rennstrecke ist viel Platz. Da hat es Auslaufzonen und viele Linien. Spannend wird es im Slalom. Wenn die Pylonengasse keinen Meter breiter ist als das Fahrzeug selbst. Und es über vier verschiedene Streckenbeläge geht.

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Doch der Astra ist hier Fehl am Platz. Zu groß, zu schwer, zu unübersichtlich. Hier braucht es etwas Kleines, etwas Böses: einen Nürburgring-Corsa. Was nach Spielzeugauto aussieht hat es faustdick hinter den Ohren. Bilstein-Fahrwerk, Recaro-Schalen, mechanische Sperre und sechs von Hand sortierte Gänge. Ende. Und so wedelst Du Dich warm. Eine Runde, drei, sechs. Pause. Den anderen zuschauen. Dem Instruktor zuhören. Und dann geht es wieder raus. Jetzt nicht mehr in der Dritten, sondern nur noch in der Zweiten. Auf der Gegengerade, kurz vor der Schikane rennt der 1600er kurz in den Begrenzer, ehe ihn die Brembos wieder hart zusammenstauchen. Und Plötzlich: quietschen die Contis das erste Mal. Auf nasser Strecke. Elektrisierend. Da geht noch was.

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Weiter, immer weiter gehst Du mit dem orangeroten OPC an die Grenze. Stehst beim Einlenken noch zart auf der Bremse, nutzt das Eindrehen des Hecks um die Front in den Kurvenausgang zu positionieren. Nutzt die Umverteilung des Drehmoments durch die Sperre um nochmal zwei Wimpernschläge früher am Gas zu sein – und siehe da: eigentlich geht der Kurs fast komplett voll. Und Du musst den Corsa gar nicht zwingen. Er macht das einfach so. Ganz locker, ganz unverkrampft.

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Nach zwei Stunden ist der Zauber dann vorbei. Die Konzentration fordert Ihren Tribut. Verschwitzt, durstig – Du bist einfach fertig. Doch der Corsa ist es auch. Die Contis haben trotz der nassen Strecke ihre Außenschulter der Traktion geopfert, die Bremsscheiben schimmern bläulich und der Bordcomputer weist einen Verbrauch weit jenseits der 20l/100km-Marke aus.

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Aber das ist egal: denn man muss einfach mal an die Grenzen gehen. An die eigenen und die des Materials. Weil Autofahren erst hier Spaß macht. Im Grenzbereich. Und dann ist es auch egal welche Achse gerade antreibt. Schießen muss er – und der Corsa OPC Nürburgring schießt. Wie der Teufel. Und das gefällt nicht nur der Generation Playstation, das gefällt auch den alten Hasen. Versprochen!

Opel Corsa OPC Nürburgring Edition im Test – wir wussten es schon vor zwei Jahren!

fm

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