Breadvan – VW Polo CL Formel E

Breadvan, wir erinnern uns: kastiges Kamm-Heck für feine Aerodynamik. Tipo 168 Competizione-V12 mit Testarossa-Köpfen, umgebaut auf Trockensumpf und sechs 38er DCN-Doppelweber für lockere 300PS. Dazu eine veränderte Fahrwerksgeometrie für schärferes Abbiegen. Fertig war der schrägste Ferrari aller Zeiten.

Breadvan

Vor allem: es war gar kein Ferrari. Dazu aber irgendwann später mehr. Denn es gibt noch einen anderen Breadvan! Den marsroten VW Polo Formel E.

Dabei darf man sich nicht irritieren lassen „Formel E“ steht hier nicht für hilflos überforderte Elektronen, sondern für Economy. Wobei auch das nur auf den ersten Blick stimmt und die Öffentlichkeit blenden sollte. In Wahrheit verbergen sich hinter den Formel E-Modellen von VW echte Waffen. Optimiert und auf maximale Attacke ausgerichtet.

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Beispiel gefällig? Da wäre das Leergewicht. Federleichte 710kg bringt der Polo auf die Waage, dagegen wirken die 935kg des 250er Breadvans gar etwas fettleibig. Dazu gab es aerodynamische Maßnahmen vom allerfeinsten: Front- und Heckspoiler sowie ein windschlüpfrig optimierter Abschluss des Heckfensterrahmens. Selbst die Türdreiecksfenster wurden nach außen verlegt um die Luftströmung nach der A-Säule zu beruhigen.

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Doch die Aero ist nur ein Teil des Ganzen. Weit wichtiger sind die Maßnahmen unter dem Blech. Dort werkelt auf den ersten Blick zwar derselbe 1100er-Vierzylinder wie in den Serienbrüdern, doch die Datenkarte offenbart spannendes: der 37kW-Treibsatz ist im Formel E hochverdichtet. Nix mit Otto-Normal tauglichen 8.2:1, stattdessen gibt es feine 9.7:1. Das bringt mächtige 6Nm mehr Drehmoment – diese obendrein noch 200 Umdrehungen früher als beim Bruder.

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Das Hochdrehzahlkonzept des scharfen 1.1ers erklärt auch die Getriebeauslegung. Offiziell wird von einem länger übersetzten E-Gang anstelle der Vierten gesprochen, in Wahrheit ist es nur der dezente Hinweis, dass die drei kurzen Gänge zur vollen Attacke reichen. Eigens für die optimale Performance bekam der Formel E auch einen Schaltblitz montiert. Getarnt wurde die gelbe Leuchtdiode in einer Wirtschaftlichkeitsanzeige, die eher beiläufig den aktuellen Verbrauch anzeigt.

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Bei aller Nähe zum Rennsport wurde aber auch die Alltagstauglichkeit nicht vergessen. „Der technische Fortschritt ermöglicht es, den bisherigen Grund-Service bei 1000km entfallen zu lassen.“ Als geneigter Sportfahrer wird man seiner Maschine aber dennoch den Einfahrölwechsel gönnen und den Schmierstoff mit geübtem Auge nach untypischer Partikel- oder gar Spanbildung untersuchen.

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Und auch wenn seit seinem Erscheinen schon über 30 Jahre vergangen sind, so macht der Formel E heute noch großen Spaß. Auf den ersten Schlüsseldreh springt der Vierzylinder ins Leben, wach, freudig und zu allem bereit. Nach behutsamer Warmfahrphase scheut er sich nicht vor hoher Last und der 31er Solex PIC(T)-7 fliegt wohlig schlürfend den Alpen entgegen. Vorbei an gedopten Radfahrern und selbst ambitioniert gefahrene Kleintransporter spielend abhängend.

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Die Seitenneigung könnte zwar geringer sein, dem guten Komfort verpflichtet verzichtete man in Wolfsburg aber seinerzeit auf ein tiefergelegtes Sportfahrwerk. Hier kann man sicher durch zeitgenössische Maßnahmen (Flex!) und angepasste Dämpfer Abhilfe schaffen.

Zurück am Hotel funktioniert die Tarnung des Formel E wieder perfekt. Niemand interessiert sich für ihn, während er von der Hatz leise knisternd abkühlt. Ein Biedermann als Brandstifter: Weil Breadvan!

Bilder: Axel Griesinger

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